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AN10.21

3. Das große Kapitel

3. Mahāvagga

Das Löwengebrüll

„Mönche und Nonnen, gegen Abend kommt der Löwe, der König der Tiere, aus seiner Höhle, gähnt, mustert rundum die vier Himmelsrichtungen und brüllt dreimal sein Löwengebrüll. Dann zieht er auf Beute aus. Warum ist das so? ‚Dass ich doch nicht auf unübersichtlichem Untergrund kleine Geschöpfe verletze.‘

‚Löwe‘ ist ein Ausdruck für den Klargewordenen, den Vollendeten, den vollkommen erwachten Buddha. Wenn der Klargewordene vor einer Versammlung den Dhamma lehrt, ist das sein Löwengebrüll.

Diese zehn Kräfte eines Klargewordenen besitzt der Klargewordene. Damit beansprucht er den Platz des Bullen, brüllt sein Löwengebrüll in den Versammlungen und dreht das göttliche Rad. Welche zehn? Zunächst versteht da der Klargewordene wahrhaftig das Mögliche als möglich und das Unmögliche als unmöglich. Da er das wahrhaftig versteht, ist das eine Kraft des Klargewordenen. Indem er sich darauf stützt, beansprucht er den Platz des Bullen, brüllt sein Löwengebrüll in den Versammlungen und dreht das göttliche Rad.

Dann versteht da der Klargewordene wahrhaftig das Ergebnis von Taten, die in der Vergangenheit, der Zukunft und der Gegenwart aufgenommen wurden und werden, im Hinblick auf Grundlagen und Ursachen. Da er das wahrhaftig versteht, ist das eine Kraft des Klargewordenen. …

Dann versteht da der Klargewordene wahrhaftig, wo alle Übungspfade hinführen. Da er das wahrhaftig versteht, ist das eine Kraft des Klargewordenen. …

Dann versteht da der Klargewordene wahrhaftig die Welt mit ihren vielen und vielfältigen Elementen. Da er das wahrhaftig versteht, ist das eine Kraft des Klargewordenen. …

Dann versteht da der Klargewordene wahrhaftig die vielfältigen Überzeugungen der Lebewesen. Da er das wahrhaftig versteht, ist das eine Kraft des Klargewordenen. …

Dann versteht da der Klargewordene wahrhaftig die Fähigkeiten anderer Wesen und Personen, indem er sie mit seinem Geist erfasst. Da er das wahrhaftig versteht, ist das eine Kraft des Klargewordenen. …

Dann versteht da der Klargewordene wahrhaftig Verunreinigung, Läuterung und Heraustreten in Bezug auf die Vertiefungen, die Befreiungen, die Versenkung und erhabene Zustände. Da er das wahrhaftig versteht, ist das eine Kraft des Klargewordenen. …

Dann erinnert sich da der Klargewordene an viele Arten früherer Leben, das heißt: eine Wiedergeburt, zwei Wiedergeburten, drei, vier, fünf, zehn, zwanzig, dreißig, vierzig, fünfzig, hundert, tausend, hunderttausend Wiedergeburten; viele Äonen des Zusammenziehens der Welt, viele Äonen des Ausdehnens der Welt, viele Äonen des Zusammenziehens und Ausdehnens der Welt. ‚Dort hatte ich diesen Namen, gehörte zu jenem Stamm, sah so aus, und das war meine Speise. So erlebte ich Glück und Schmerz, und so lange dauerte mein Leben. Als ich von jenem Ort verschied, wurde ich woanders wiedergeboren. Und dort hatte ich diesen Namen, gehörte zu jenem Stamm, sah so aus, und das war meine Speise. So erlebte ich Glück und Schmerz, und so lange dauerte mein Leben. Als ich von jenem Ort verschied, wurde ich hier wiedergeboren.‘ Und so erinnert er sich an viele Arten früherer Leben mit den Merkmalen und Einzelheiten. Da er das wahrhaftig versteht, ist das eine Kraft des Klargewordenen. …

Dann sieht da der Klargewordene mit geläuterter und übermenschlicher Hellsichtigkeit Lebewesen, wie sie hinscheiden und wieder geboren werden – gering oder hochstehend, schön oder hässlich, an einem guten oder einem schlechten Ort. Er versteht, wie Lebewesen entsprechend ihrer Taten weiterziehen: ‚Diese lieben Wesen taten Schlechtes mit dem Körper, der Sprache und dem Geist. Sie brachten die Edlen in Verruf, hatten falsche Ansicht und unternahmen Handlungen aus dieser falschen Ansicht heraus. Als ihr Körper auseinanderbrach, nach dem Tod, wurden sie an einem verlorenen Ort wiedergeboren, einem schlechten Ort, in der Unterwelt, der Hölle. Diese lieben Wesen hingegen taten Gutes mit dem Körper, der Sprache und dem Geist. Sie brachten nie die Edlen in Verruf, hatten rechte Ansicht und unternahmen Handlungen aus dieser rechten Ansicht heraus. Als ihr Körper auseinanderbrach, nach dem Tod, wurden sie an einem guten Ort wiedergeboren, in einer himmlischen Welt.‘ Und so sieht er mit geläuterter und übermenschlicher Hellsichtigkeit Lebewesen, wie sie hinscheiden und wieder geboren werden – gering oder hochstehend, schön oder hässlich, an einem guten oder einem schlechten Ort. Er versteht, wie Lebewesen entsprechend ihrer Taten weiterziehen. Da er das wahrhaftig versteht, ist das eine Kraft des Klargewordenen. …

Dann hat da der Klargewordene mit der Auflösung der Befleckungen in eben diesem Leben die fleckenlose Freiheit des Herzens erlangt, die fleckenlose Freiheit durch Weisheit, hat sie durch eigene Einsicht erkannt und lebt darin. Da er das wahrhaftig versteht, ist das eine Kraft des Klargewordenen. Indem er sich darauf stützt, beansprucht er den Platz des Bullen, brüllt sein Löwengebrüll in den Versammlungen und dreht das heilige Rad.

Das sind die zehn Kräfte eines Klargewordenen, die der Klargewordene besitzt. Damit beansprucht er den Platz des Bullen, brüllt sein Löwengebrüll in den Versammlungen und dreht das göttliche Rad.“

Übersetzung: Deutsch (sabbamitta), English (sujato). Quelle: SuttaCentral / Bilara (gemeinfrei, CC0).