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10. Das Kapitel mit Upāli

10. Upālivagga

Welche Ansicht hast du?

Einmal hielt sich der Buddha bei Sāvatthī in Jetas Wäldchen auf, dem Kloster des Anāthapiṇḍika.

Da ging der Hausbesitzer Anāthapiṇḍika mitten am Tag aus Sāvatthī fort, um den Buddha zu sehen. Es kam ihm in den Sinn: „Es ist die falsche Zeit, um den Buddha zu sehen, da er in Klausur ist. Und es ist die falsche Zeit, um die geschätzten Mönche und Nonnen zu sehen, da sie in Klausur sind. Warum besuche ich nicht das Kloster der Wanderer anderer Konfessionen?“

Und er ging zu dem Kloster der Wanderer anderer Konfessionen. Zu dieser Zeit waren die Wanderer anderer Konfessionen zusammengekommen, und sie machten einen Tumult, einen Höllenlärm, wie sie da beisammensaßen und unwürdige Gespräche aller Art führten.

Sie sahen Anāthapiṇḍika von Weitem kommen und brachten sich gegenseitig zum Schweigen: „Seid leise, werte Herren, macht keinen Lärm. Der Hausbesitzer Anāthapiṇḍika, ein Schüler des Asketen Gotama, kommt zu unserem Kloster. Er gehört zu den weiß gekleideten Laienschülern des Asketen Gotama, der sich in Sāvatthī aufhält. Solche Ehrwürdigen lieben die Stille, sind dazu erzogen, still zu sein, und preisen die Stille. Wenn er sieht, dass unsere Versammlung still ist, wird er es hoffentlich für angebracht halten, näherzukommen.“

Und diese Wanderer anderer Konfessionen verstummten. Da ging Anāthapiṇḍika zu ihnen und tauschte mit diesen Wanderern Willkommensgrüße aus. Nach der Begrüßung und dem Austausch von Höflichkeiten setzte er sich zur Seite hin. Die Wanderer sagten zu ihm: „Sag uns, Hausbesitzer: Welche Ansicht hat der Asket Gotama?“

„Ihr Herren, ich kenne nicht alle seine Ansichten.“

„Nun, da du anscheinend nicht alle Ansichten des Asketen Gotama kennst, sag uns: Welche Ansichten haben die Mönche und Nonnen?“

„Ihr Herren, ich kenne nicht alle Ansichten der Mönche und Nonnen.“

„Nun, da du anscheinend nicht alle Ansichten des Asketen Gotama oder der Mönche und Nonnen kennst, sag uns: Welche Ansicht hast du?“

„Ihr Herren, es ist nicht schwer für mich, zu erklären, welche Ansichten ich habe. Aber bitte, dass doch die Ehrwürdigen ihre eigenen Überzeugungen zuerst erklären. Danach wird es nicht schwer für mich sein, zu erklären, welche Ansichten ich habe.“

Daraufhin sagte einer der Wanderer zu ihm: „Das Weltall ist ewig. Das allein ist die Wahrheit, alles andere ist unnütz. Das ist meine Ansicht, Hausbesitzer.“

Ein anderer Wanderer sagte: „Das Weltall ist zeitlich. Das allein ist die Wahrheit, alles andere ist unnütz. Das ist meine Ansicht, Hausbesitzer.“

Ein anderer Wanderer sagte: „Das Weltall ist endlich. …“ … „Das Weltall ist unendlich. …“ … „Seele und Körper sind ein und dasselbe. …“ … „Die Seele ist ein Ding, der Körper ein anderes. …“ … „Ein Klargewordener besteht nach dem Tod fort. …“ … „Ein Klargewordener besteht nach dem Tod nicht fort. …“ … „Ein Klargewordener besteht nach dem Tod fort und besteht auch nicht fort. …“ … „Ein Klargewordener besteht nach dem Tod weder fort, noch besteht er nicht fort. Das allein ist die Wahrheit, alles andere ist unnütz. Das ist meine Ansicht, Hausbesitzer.“

Darauf sagte Anāthapiṇḍika: „Ihr Herren, im Hinblick auf den Ehrwürdigen, der sagte: ‚Das Weltall ist ewig. Das allein ist die Wahrheit, alles andere ist unnütz. Das ist meine Ansicht, Hausbesitzer‘ – diese Ansicht ist entweder aus seinem eigenen unüberlegten Gebrauch des Geistes entstanden oder sie ist durch das bedingt, was jemand anders sagt. Somit ist diese Ansicht geschaffen, bedingt, ausgedacht, abhängig entstanden. Alles, was geschaffen, bedingt, ausgedacht und abhängig entstanden ist, ist unbeständig. Und was unbeständig ist, ist Leiden. Woran er haftet und sich festhält, ist einfach nur Leiden.

Im Hinblick auf den Ehrwürdigen, der sagte: ‚Das Weltall ist zeitlich. Das allein ist die Wahrheit, alles andere ist unnütz. Das ist meine Ansicht, Hausbesitzer‘ – diese Ansicht ist entweder aus seinem eigenen unüberlegten Gebrauch des Geistes entstanden oder sie ist durch das bedingt, was jemand anders sagt. Somit ist diese Ansicht geschaffen, bedingt, ausgedacht, abhängig entstanden. Alles, was geschaffen, bedingt, ausgedacht und abhängig entstanden ist, ist unbeständig. Und was unbeständig ist, ist Leiden. Woran er haftet und sich festhält, ist einfach nur Leiden.

Im Hinblick auf den Ehrwürdigen, der sagte: ‚Das Weltall ist endlich. …‘ … ‚Das Weltall ist unendlich. …‘ … ‚Seele und Körper sind ein und dasselbe. …‘ … ‚Die Seele ist ein Ding, der Körper ein anderes. …‘ … ‚Ein Klargewordener besteht nach dem Tod fort. …‘ … ‚Ein Klargewordener besteht nach dem Tod nicht fort. …‘ … ‚Ein Klargewordener besteht nach dem Tod fort und besteht auch nicht fort. …‘ … ‚Ein Klargewordener besteht nach dem Tod weder fort, noch besteht er nicht fort. Das allein ist die Wahrheit, alles andere ist unnütz. Das ist meine Ansicht, Hausbesitzer‘ – diese Ansicht ist entweder aus seinem eigenen unüberlegten Gebrauch des Geistes entstanden oder sie ist durch das bedingt, was jemand anders sagt. Somit ist diese Ansicht geschaffen, bedingt, ausgedacht, abhängig entstanden. Alles, was geschaffen, bedingt, ausgedacht und abhängig entstanden ist, ist unbeständig. Und was unbeständig ist, ist Leiden. Woran er haftet und sich festhält, ist einfach nur Leiden.“

Daraufhin sagten die Wanderer zu ihm: „Hausbesitzer, wir haben jeder seine eigene Überzeugung erklärt. Sag uns, Hausbesitzer: Welche Ansicht hast du?“

„Ihr Herren, alles, was geschaffen, bedingt, ausgedacht und abhängig entstanden ist, ist unbeständig. Und was unbeständig ist, ist Leiden. Und was Leiden ist, das ist nicht mein, das bin ich nicht, das ist nicht mein Selbst. Das ist meine Ansicht, ihr Herren.“

„Hausbesitzer, alles, was geschaffen, bedingt, ausgedacht und abhängig entstanden ist, ist unbeständig. Und was unbeständig ist, ist Leiden. Woran du haftest und dich festhältst, ist einfach nur Leiden.“

„Ihr Herren, alles, was geschaffen, bedingt, ausgedacht und abhängig entstanden ist, ist unbeständig. Und was unbeständig ist, ist Leiden. Ich habe wahrhaftig mit rechter Weisheit klar gesehen: Was Leiden ist, das ist nicht mein, das bin ich nicht, das ist nicht mein Selbst. Und ich verstehe wahrhaftig das Entrinnen über dieses hinaus.“

Auf diese Worte saßen die Wanderer schweigend und betroffen da, mit hängenden Schultern und gesenktem Kopf, niedergeschlagen, und konnten nichts sagen. Als Anāthapiṇḍika das sah, erhob er sich von seinem Sitz. Er ging zum Buddha, verbeugte sich, setzte sich zur Seite hin und berichtete ihm die gesamte Diskussion.

„Gut, gut, Hausbesitzer! So solltest du diese unnützen Männer von Zeit zu Zeit rechtmäßig und vollständig widerlegen.“

Dann leitete der Buddha den Hausbesitzer Anāthapiṇḍika mit einem Dhammavortrag an, ermunterte, begeisterte und erhob ihn. Darauf erhob dieser sich von seinem Sitz, verbeugte sich, umrundete den Buddha respektvoll, die rechte Seite ihm zugewandt, und ging.

Nicht lange, nachdem Anāthapiṇḍika gegangen war, wandte sich der Buddha an die Mönche und Nonnen: „Mönche und Nonnen, selbst ein Mönch, der hundert Jahre in dieser Lehre und Schulung ordiniert wäre, würde diese Wanderer anderer Konfessionen geradeso rechtmäßig und vollständig widerlegen, wie es der Hausbesitzer Anāthapiṇḍika getan hat.“

Übersetzung: Deutsch (sabbamitta), English (sujato). Quelle: SuttaCentral / Bilara (gemeinfrei, CC0).