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AN3.58

6. Das Kapitel mit Brahmanen

6. Brāhmaṇavagga

Mit Tikaṇṇa

Da ging der Brahmane Tikaṇṇa zum Buddha und tauschte Willkommensgrüße mit ihm aus. Er setzte sich zur Seite hin und pries unter den Augen des Buddha die Brahmanen, die in den drei Veden bewandert waren: „So sind die Brahmanen, die Meister des dreifachen vedischen Wissens! Solcherart sind die Brahmanen, die Meister des dreifachen vedischen Wissens!“

„Aber Brahmane, wie beschreiben die Brahmanen einen Brahmanen, der ein Meister des dreifachen vedischen Wissens ist?“

„Werter Gotama, da ist ein Brahmane von guter Geburt auf mütterlicher und väterlicher Seite, von reiner Abkunft, mit unwiderlegbarem und einwandfreiem Stammbaum bis zur siebten väterlichen Generation zurück. Er sagt die Hymnen auf und hat sie im Gedächtnis und hat die drei Veden gemeistert zusammen mit ihrem Wortschatz und der Durchführung des Rituals, der Lautlehre und der Einteilung der Wortarten sowie dem Testament als fünftem. Er kennt sie Wort für Wort, kennt die Grammatik und ist mit der Kosmologie und den Kennzeichen eines großen Mannes vertraut. So beschreiben die Brahmanen einen Brahmanen, der ein Meister des dreifachen vedischen Wissens ist.“

„Brahmane, ein Meister des dreifachen Wissens in der brahmanischen Lehre ist etwas anderes als ein Meister des dreifachen Wissens in der Schulung des Edlen.“

„Aber werter Gotama, wie ist man ein Meister des dreifachen Wissens in der Schulung des Edlen? Werter Gotama, bitte unterweise mich darin.“

„Nun, Brahmane, hör zu und gebrauche den Geist gut, ich werde sprechen.“

„Ja, werter Herr“, erwiderte Tikaṇṇa. Der Buddha sagte:

„Brahmane, da tritt ein Mönch, ganz abgeschieden von den Sinnenfreuden, abgeschieden von untauglichen Eigenschaften, in die erste Vertiefung ein und verweilt darin; da gibt es aus Abgeschiedenheit geborene Ekstase und Seligkeit, während er den Geist ausrichtet und hält. Wenn das Ausrichten und Halten des Geistes sich beruhigt, tritt er in die zweite Vertiefung ein und verweilt darin; da gibt es aus Versenkung geborene Ekstase und Seligkeit, mit innerer Klarheit und geeintem Geist, ohne Ausrichten und Halten. Und mit dem Schwinden der Ekstase tritt er in die dritte Vertiefung ein und verweilt darin; da meditiert er mit Gleichmut, achtsam und bewusst, und erfährt persönlich die Seligkeit, von der die Edlen erklären: ‚Gleichmütig und achtsam meditiert man in Seligkeit.‘ Indem er Glück und Schmerz aufgibt, und mit dem Vergehen früherer Fröhlichkeit und Traurigkeit, tritt er in die vierte Vertiefung ein und verweilt darin, ohne Glück oder Schmerz, mit reinem Gleichmut und reiner Achtsamkeit.

Wenn der Geist so im Samādhi versunken ist – geläutert, hell, makellos, fleckenlos, geschmeidig, formbar, stetig und unbewegt –, dann streckt er ihn aus auf die Erinnerung an frühere Leben. Er erinnert sich an viele Arten früherer Leben, das heißt: eine Wiedergeburt, zwei Wiedergeburten, drei, vier, fünf, zehn, zwanzig, dreißig, vierzig, fünfzig, hundert, tausend, hunderttausend Wiedergeburten; viele Äonen des Zusammenziehens der Welt, viele Äonen des Ausdehnens der Welt, viele Äonen des Zusammenziehens und Ausdehnens der Welt. ‚Dort hatte ich diesen Namen, gehörte zu jenem Stamm, sah so aus, und das war meine Speise. So erlebte ich Glück und Schmerz, und so lange dauerte mein Leben. Als ich von jenem Ort verschied, wurde ich woanders wiedergeboren. Und dort hatte ich diesen Namen, gehörte zu jenem Stamm, sah so aus, und das war meine Speise. So erlebte ich Glück und Schmerz, und so lange dauerte mein Leben. Als ich von jenem Ort verschied, wurde ich hier wiedergeboren.‘ Und so erinnert er sich an viele Arten früherer Leben mit den Merkmalen und Einzelheiten. Das ist das erste Wissen, das er erlangt. Unwissenheit ist zerstört und Wissen erschienen; Dunkelheit ist zerstört und Licht erschienen, wie es bei jemandem geschieht, der beflissen, eifrig und entschlossen meditiert.

Wenn der Geist so im Samādhi versunken ist – geläutert, hell, makellos, fleckenlos, geschmeidig, formbar, stetig und unbewegt –, dann streckt er ihn aus auf das Erkennen von Tod und Wiedergeburt der Lebewesen. Mit geläuterter und übermenschlicher Hellsichtigkeit sieht er Lebewesen, wie sie hinscheiden und wieder geboren werden – gering oder hochstehend, schön oder hässlich, an einem guten oder einem schlechten Ort. Er versteht, wie Lebewesen entsprechend ihrer Taten weiterziehen: ‚Diese lieben Wesen taten Schlechtes mit dem Körper, der Sprache und dem Geist. Sie brachten die Edlen in Verruf, hatten falsche Ansicht und unternahmen Handlungen aus dieser falschen Ansicht heraus. Als ihr Körper auseinanderbrach, nach dem Tod, wurden sie an einem verlorenen Ort wiedergeboren, einem schlechten Ort, in der Unterwelt, der Hölle. Diese lieben Wesen hingegen taten Gutes mit dem Körper, der Sprache und dem Geist. Sie brachten nie die Edlen in Verruf, hatten rechte Ansicht und unternahmen Handlungen aus dieser rechten Ansicht heraus. Als ihr Körper auseinanderbrach, nach dem Tod, wurden sie an einem guten Ort wiedergeboren, in einer himmlischen Welt.‘ Und so sieht er mit geläuterter und übermenschlicher Hellsichtigkeit Lebewesen, wie sie hinscheiden und wieder geboren werden – gering oder hochstehend, schön oder hässlich, an einem guten oder einem schlechten Ort. Er versteht, wie Lebewesen entsprechend ihrer Taten weiterziehen. Das ist das zweite Wissen, das er erlangt. Unwissenheit ist zerstört und Wissen erschienen; Dunkelheit ist zerstört und Licht erschienen, wie es bei jemandem geschieht, der beflissen, eifrig und entschlossen meditiert.

Wenn der Geist so im Samādhi versunken ist – geläutert, hell, makellos, fleckenlos, geschmeidig, formbar, stetig und unbewegt – dann streckt er ihn aus auf das Erkennen der Auflösung der Befleckungen. Er versteht wahrhaftig: ‚Das ist das Leiden.‘ … ‚Das ist der Ursprung des Leidens.‘ … ‚Das ist das Aufhören des Leidens.‘ … ‚Das ist die Übung, die zum Aufhören des Leidens führt.‘ Er versteht wahrhaftig: ‚Das sind die Befleckungen.‘ … ‚Das ist der Ursprung der Befleckungen.‘ … ‚Das ist das Aufhören der Befleckungen.‘ … ‚Das ist die Übung, die zum Aufhören der Befleckungen führt.‘ Wenn er das erkennt und sieht, ist der Geist befreit von den Befleckungen der Sinnlichkeit, des Wunsches nach Wiedergeburt und der Unwissenheit. Wenn er befreit ist, erkennt er, dass er befreit ist.

Er versteht: ‚Wiedergeburt ist beendet; das geistliche Leben ist erfüllt; was zu tun war, ist getan; es gibt nichts weiter für diesen Ort.‘ Das ist das dritte Wissen, das er erlangt. Unwissenheit ist zerstört und Wissen erschienen; Dunkelheit ist zerstört und Licht erschienen, wie es bei jemandem geschieht, der beflissen, eifrig und entschlossen meditiert.

Wessen Tugend nicht wankt, wer aufgeweckt ist und Versenkung übt, wer seinen Geist gemeistert hat, geeint, gesammelt,

dieser Bedächtige vertreibt die Dunkelheit, ist ein Meister des dreifachen Wissens, Überwinder des Todes. Zum Wohl von Göttern und Menschen hat er alles aufgegeben, so heißt es.

Das dreifache Wissen hat er vervollkommnet, lebt frei von Verwirrung, er trägt den letzten Körper und ehrt Gotama, den Erwachten.

Er kennt seine früheren Leben, sieht Himmel und verlorene Orte und hat das Ende der Wiedergeburt erreicht, ein Abgeklärter mit vollkommener Einsicht:

Mit diesem dreifachen Wissen ist ein Brahmane ein Meister des dreifachen Wissens. Einen solchen nenne ich einen Dreiwissens-Meister – nicht den anderen, der nachspricht, was man ihm sagt.

Das, Brahmane, ist ein Meister des dreifachen Wissens in der Schulung des Edlen.“

„Werter Gotama, ein Meister des dreifachen Wissens in der brahmanischen Lehre ist etwas anderes als ein Meister des dreifachen Wissens in der Schulung des Edlen. Und, werter Gotama, ein Meister des dreifachen Wissens in der brahmanischen Lehre wiegt nicht den sechzehnten Teil eines Meisters des dreifachen Wissens in der Schulung des Edlen.

Vortrefflich, werter Gotama! Vortrefflich! … Von diesem Tag an soll der werte Gotama mich als Laienschüler in Erinnerung behalten, der für sein ganzes Leben Zuflucht genommen hat.“

Übersetzung: Deutsch (sabbamitta), English (sujato). Quelle: SuttaCentral / Bilara (gemeinfrei, CC0).