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AN7.64

6. Das Kapitel über die nicht erklärten Punkte

6. Abyākatavagga

Zornig

„Mönche und Nonnen, einer zornigen Frau oder einem zornigen Mann widerfahren diese sieben Dinge, die einem Feind gefallen und ihm helfen. Welche sieben?

Zunächst wünscht da ein Feind einem Feind: ‚Dass er doch hässlich sein soll!‘ Warum ist das so? Weil ein Feind keinen schönen Feind haben möchte. Ein zorniges Individuum, von Zorn bezwungen und überwältigt, ist hässlich, auch wenn es schön gebadet und geölt ist, wenn Haar und Bart frisiert sind und es in Weiß gekleidet ist. Das ist das erste Ding, das einer zornigen Frau oder einem zornigen Mann widerfährt, das einem Feind gefällt und ihm hilft.

Dann wünscht da ein Feind einem Feind: ‚Dass er doch schlecht schlafen soll!‘ Warum ist das so? Weil ein Feind keinen Feind haben möchte, der gut schläft. Ein zorniges Individuum, von Zorn bezwungen und überwältigt, schläft schlecht, auch wenn es auf einer Liege schläft, die mit flauschigen, rein weißen oder mit Blumen bestickten wollenen Decken gepolstert und mit einer Decke aus feinem Hirschleder überzogen ist, mit einem Baldachin und roten Kissen auf beiden Seiten. Das ist das zweite Ding …

Dann wünscht da ein Feind einem Feind: ‚Dass doch seine Bedürfnisse nicht umfänglich befriedigt werden!‘ Warum ist das so? Weil ein Feind keinen Feind haben möchte, dessen Bedürfnisse umfänglich befriedigt werden. Wenn ein zorniges Individuum, von Zorn bezwungen und überwältigt, bekommt, was es nicht braucht, denkt es: ‚Ich habe bekommen, was ich brauche!‘ Wenn es bekommt, was es braucht, denkt es: ‚Ich habe bekommen, was ich nicht brauche!‘ Wenn ein zorniges Individuum diese Dinge bekommt, die das genaue Gegenteil dessen sind, was es braucht, ist es zu seinem langanhaltenden Schaden und Leiden. Das ist das dritte Ding …

Dann wünscht da ein Feind einem Feind: ‚Dass er doch nicht reich sein soll!‘ Warum ist das so? Weil ein Feind keinen Feind haben möchte, der reich ist. Wenn ein Individuum zornig ist, von Zorn bezwungen und überwältigt, beschlagnahmen Herrscher sein rechtmäßig erworbenes Vermögen, das es mit seiner Anstrengung und seinem Unternehmungsgeist erarbeitet, mit seinen Händen aufgebaut und im Schweiß seines Angesichts zusammengetragen hat. Das ist das vierte Ding …

Dann wünscht da ein Feind einem Feind: ‚Dass er doch nicht berühmt sein soll!‘ Warum ist das so? Weil ein Feind keinen Feind haben möchte, der berühmt ist. Wenn ein Individuum zornig ist, von Zorn bezwungen und überwältigt, wird jeder Ruhm, den es mit seiner Beflissenheit erlangt hat, zu Staub zerfallen. Das ist das fünfte Ding …

Dann wünscht da ein Feind einem Feind: ‚Dass er doch keine Freunde haben soll!‘ Warum ist das so? Weil ein Feind keinen Feind haben möchte, der Freunde hat. Wenn ein Individuum zornig ist, von Zorn bezwungen und überwältigt, machen seine Freunde und Kollegen, Verwandten und Sippenangehörigen einen großen Bogen um es. Das ist das sechste Ding …

Dann wünscht da ein Feind einem Feind: ‚Dass er doch, wenn sein Körper auseinanderbricht, nach dem Tod, an einem verlorenen Ort wiedergeboren werden soll, einem schlechten Ort, in der Unterwelt, der Hölle!‘ Warum ist das so? Weil ein Feind keinen Feind haben möchte, der zu einem guten Ort geht. Wenn ein Individuum zornig ist, von Zorn bezwungen und überwältigt, tut es Schlechtes mit dem Körper, der Sprache und dem Geist. Wenn sein Körper auseinanderbricht, nach dem Tod, wird es an einem verlorenen Ort wiedergeboren, einem schlechten Ort, in der Unterwelt, der Hölle. Das ist das siebte Ding, das einer zornigen Frau oder einem zornigen Mann widerfährt, das einem Feind gefällt und ihm hilft.

Das sind die sieben Dinge, die einer zornigen Frau oder einem zornigen Mann widerfahren, die einem Feind gefallen und ihm helfen.

Der Zornige ist hässlich, und er schläft schlecht. Wenn er bekommt, was er braucht, glaubt er, es sei, was er nicht braucht.

Mit dem Körper oder der Sprache tötet ein zorniger Mensch; von Zorn überwältigt verliert er sein Vermögen.

Außer sich vor Zorn fällt er in Ungnade. Familie, Freunde, Nahestehende meiden einen zornigen Menschen.

Zorn schafft Unglück; Zorn versetzt den Geist in Aufruhr. Dieser Mensch erkennt nicht die Gefahr, die in ihm entsteht.

Der Zornige kennt nicht das Gute. Der Zornige sieht die Wahrheit nicht. Wenn ein Mensch von Zorn befallen ist, bleibt nur blinde Finsternis.

Der Zornige zerstört mit Leichtigkeit, was schwer aufzubauen war. Später, wenn der Zorn verraucht ist, leidet er Qualen, als sei er vom Feuer verbrannt.

Sein Ausdruck verrät sein mürrisches Wesen, wie die Rauchfahne das Feuer verrät; und wenn sein Zorn aufflammt, macht er auch andere zornig.

Er kennt kein Gewissen und keine Besonnenheit und auch keine respektvolle Rede. Wer von Zorn überwältigt ist, hat nirgends eine Zufluchtsinsel.

Die Taten, die einen Menschen quälen, sind von guten Taten weit entfernt. Ich will sie jetzt erklären; hört zu, denn das ist die Wahrheit:

Der Zornige erschlägt seinen Vater, und auch seine Mutter erschlägt er. Der Zornige erschlägt einen Heiligen und auch einen gewöhnlichen Menschen.

Von seiner Mutter wird man aufgezogen, sie erklärt einem die Welt. Doch ein zorniger gewöhnlicher Mensch erschlägt selbst diese gute Frau, die ihm das Leben gab.

Wie man selbst, so sind alle Lebewesen sich selbst am liebsten. Doch zornige Menschen töten sich selbst auf vielerlei Art, da sie aus vielen Gründen nicht Herr ihrer Sinne sind.

Manche töten sich mit Schwertern, andere, nicht Herr ihrer selbst, nehmen Gift. Manche erhängen sich mit einem Strick oder stürzen sich eine Bergschlucht hinab.

Wenn sie Taten von Kindsmord und Selbstmord begehen, ist ihnen nicht klar, was sie tun, denn ihr Zorn führt zu ihrem Untergang.

Die Schlinge des Todes in Form des Zorns liegt im Herzen verborgen. Ihr sollt sie herausschneiden durch Selbstbeherrschung, durch Weisheit, Energie und die richtige Ansicht.

Ein kluger Mensch soll dieses untaugliche Ding herausschneiden. Und genauso würde er sich in der Lehre üben und der mürrischen Laune nicht nachgeben.

Frei von Zorn, frei von Verzweiflung, frei von Gier und ohne Sehnsucht, gebändigt, den Zorn aufgegeben: So erlischt der Unbefleckte vollkommen.“

Übersetzung: Deutsch (sabbamitta), English (sujato). Quelle: SuttaCentral / Bilara (gemeinfrei, CC0).