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AN8.12

2. Das große Kapitel

2. Mahāvagga

Mit Sīha

Einmal hielt sich der Buddha bei Vesālī am Großen Wald auf, in der Halle mit dem Giebeldach. Da saßen zu dieser Zeit mehrere sehr namhafte Licchaver in der Ratshalle beisammen und priesen den Buddha, seine Lehre und den Saṅgha auf vielerlei Art.

Und es saß da der General Sīha, ein Schüler der Jainas, in dieser Versammlung. Er dachte: „Dieser Gesegnete muss zweifellos ein Vollendeter sein, ein vollkommen erwachter Buddha. Denn einige sehr namhafte Licchaver preisen den Buddha, seine Lehre und den Saṅgha auf vielerlei Art. Warum gehe ich nicht diesen Gesegneten, den Vollendeten, den vollkommen erwachten Buddha besuchen?“

Und der General Sīha ging zu dem Jaina-Asketen aus dem Stamm Ñātika und sagte zu ihm: „Herr, ich wünsche, den Asketen Gotama besuchen zu gehen.“

„Aber Sīha, du glaubst an die Doktrin des Tuns. Warum solltest du den Asketen Gotama besuchen gehen, der eine Doktrin des Nicht-Tuns lehrt? Denn der Asket Gotama glaubt an eine Doktrin des Nicht-Tuns, er lehrt das Nicht-Tun, und so schult er seine Schüler.“

Und Sīhas Entschlossenheit, den Buddha zu besuchen, klang ab.

Ein zweites Mal saßen mehrere sehr namhafte Licchaver in der Ratshalle beisammen und priesen den Buddha, seine Lehre und den Saṅgha auf vielerlei Art. Und zum zweiten Mal dachte Sīha: „Dieser Gesegnete muss zweifellos ein Vollendeter sein, ein vollkommen erwachter Buddha. Denn einige sehr namhafte Licchaver preisen den Buddha, seine Lehre und den Saṅgha auf vielerlei Art. Warum gehe ich nicht diesen Gesegneten, den Vollendeten, den vollkommen erwachten Buddha besuchen?“

Und der General Sīha ging zu dem Jaina Ñātika …, der ihm das Gleiche sagte wie zuvor.

Und zum zweiten Mal klang Sīhas Entschlossenheit, den Buddha zu besuchen, ab.

Ein drittes Mal saßen mehrere sehr namhafte Licchaver in der Ratshalle beisammen und priesen den Buddha, seine Lehre und den Saṅgha auf vielerlei Art. Und zum dritten Mal dachte Sīha: „Dieser Gesegnete muss zweifellos ein Vollendeter sein, ein vollkommen erwachter Buddha. Denn einige sehr namhafte Licchaver preisen den Buddha, seine Lehre und den Saṅgha auf vielerlei Art. Was können mir diese Jainas anhaben, ob ich mich jetzt von ihnen verabschiede oder nicht? Warum gehe ich nicht diesen Gesegneten, den Vollendeten, den vollkommen erwachten Buddha besuchen, ohne mich von den Jainas zu verabschieden?“

Und der General Sīha brach mit etwa fünfhundert Wagen mitten am Tag von Vesālī auf, um den Buddha zu besuchen. Er fuhr mit der Kutsche, soweit es das Gelände erlaubte, stieg dann ab und ging zu Fuß weiter. Dann ging er zum Buddha, verbeugte sich, setzte sich zur Seite hin und sagte zu ihm:

„Herr, ich habe gehört: ‚Der Asket Gotama glaubt an eine Doktrin des Nicht-Tuns, er lehrt das Nicht-Tun, und so schult er seine Schüler.‘ Geben die, die das sagen, die Worte des Buddha wieder und stellen ihn nicht mit einer Unwahrheit falsch dar? Ist ihre Erklärung im Einklang mit seiner Lehre, und gibt es keinen rechtmäßigen Grund für eine Gegendarstellung und Tadel? Denn wir wollen den Gesegneten nicht falsch darstellen.“

„Es gibt einen Sinn, Sīha, in dem man zu Recht sagen könnte, ich glaubte an das Nicht-Tun, ich lehrte das Nicht-Tun, und so schulte ich meine Schüler.

Und es gibt einen Sinn, in dem man zu Recht sagen könnte, ich glaubte an das Tun, ich lehrte das Tun, und so schulte ich meine Schüler.

Und es gibt einen Sinn, in dem man zu Recht sagen könnte, ich glaubte an die Vernichtung, ich lehrte die Vernichtung, und so schulte ich meine Schüler.

Und es gibt einen Sinn, in dem man zu Recht sagen könnte, ich ekelte mich, ich lehrte den Ekel, und so schulte ich meine Schüler.

Und es gibt einen Sinn, in dem man zu Recht sagen könnte, ich sei ein Ausrotter, ich lehrte das Ausrotten und, und so schulte ich meine Schüler.

Und es gibt einen Sinn, in dem man zu Recht sagen könnte, ich sei ein inbrünstiger Büßer, ich lehrte inbrünstige Bußübungen, und so schulte ich meine Schüler.

Und es gibt einen Sinn, in dem man zu Recht sagen könnte, ich sei unreif, ich lehrte die Unreife, und so schulte ich meine Schüler.

Und es gibt einen Sinn, in dem man zu Recht sagen könnte, ich sei ehrgeizig, ich lehrte den Ehrgeiz, und so schulte ich meine Schüler.

Und in welchem Sinn könnte man zu Recht sagen, ich glaubte an das Nicht-Tun, ich lehrte das Nicht-Tun, und so schulte ich meine Schüler? Ich lehre das Nicht-Tun im Hinblick auf schlechtes Verhalten mit dem Körper, der Sprache und dem Geist sowie die vielerlei untauglichen Dinge. In diesem Sinn könnte man zu Recht sagen, ich lehrte das Nicht-Tun.

Und in welchem Sinn könnte man zu Recht sagen, ich glaubte an das Tun, ich lehrte das Tun, und so schulte ich meine Schüler? Ich lehre das Tun im Hinblick auf gutes Verhalten mit dem Körper, der Sprache und dem Geist sowie die vielerlei tauglichen Dinge. In diesem Sinn könnte man zu Recht sagen, ich lehrte das Tun.

Und in welchem Sinn könnte man zu Recht sagen, ich glaubte an die Vernichtung, ich lehrte die Vernichtung, und so schulte ich meine Schüler? Ich lehre die Vernichtung von Gier, Hass und Täuschung und der vielerlei untauglichen Dinge. In diesem Sinn könnte man zu Recht sagen, ich lehrte die Vernichtung.

Und in welchem Sinn könnte man zu Recht sagen, ich ekelte mich, ich lehrte den Ekel, und so schulte ich meine Schüler? Ich ekele mich vor schlechtem Verhalten mit dem Körper, der Sprache und dem Geist und davor, die vielerlei untauglichen Dinge zu erlangen. In diesem Sinn könnte man zu Recht sagen, ich lehrte den Ekel.

Und in welchem Sinn könnte man zu Recht sagen, ich sei ein Ausrotter, ich lehrte das Ausrotten, und so schulte ich meine Schüler? Ich lehre das Ausrotten von Gier, Hass und Täuschung und der vielerlei untauglichen Dinge. In diesem Sinn könnte man zu Recht sagen, ich lehrte das Ausrotten.

Und in welchem Sinn könnte man zu Recht sagen, ich sei ein inbrünstiger Büßer, ich lehrte inbrünstige Bußübungen, und so schulte ich meine Schüler? Ich sage, schlechtes Verhalten mit dem Körper, der Sprache und dem Geist muss inbrünstig gebüßt werden. Ich sage, ein inbrünstiger Büßer ist jemand, der untaugliche Eigenschaften, die inbrünstig gebüßt werden müssen, aufgegeben hat, sie an der Wurzel abgeschnitten hat, sodass sie wie der Stumpf einer Palme sind, dass sie ausgelöscht sind und sich in Zukunft nicht mehr erheben können. Der Klargewordene ist jemand, der untaugliche Eigenschaften, die die inbrünstig gebüßt werden müssen, aufgegeben hat, sie an der Wurzel abgeschnitten hat, sodass sie wie der Stumpf einer Palme sind, dass sie ausgelöscht sind und sich in Zukunft nicht mehr erheben können. In diesem Sinn könnte man zu Recht sagen, ich lehrte inbrünstige Bußübungen.

Und in welchem Sinn könnte man zu Recht sagen, ich sei unreif, ich lehrte die Unreife, und so schulte ich meine Schüler? Ich sage, ein unreifer Mensch ist jemand, der zukünftiges Heranreifen in einem Schoß und das Hervorbringen eines neuen Daseinszustandes aufgegeben hat, sie an der Wurzel abgeschnitten hat, sodass sie wie der Stumpf einer Palme sind, dass sie ausgelöscht sind und sich in Zukunft nicht mehr erheben können. Der Klargewordene ist jemand, der zukünftiges Heranreifen in einem Schoß und das Hervorbringen eines neuen Daseinszustandes aufgegeben hat, sie an der Wurzel abgeschnitten hat, sodass sie wie der Stumpf einer Palme sind, dass sie ausgelöscht sind und sich in Zukunft nicht mehr erheben können. In diesem Sinn könnte man zu Recht sagen, ich sei unreif und lehrte die Unreife.

Und in welchem Sinn könnte man zu Recht sagen, ich sei ehrgeizig, ich lehrte den Ehrgeiz, und so schulte ich meine Schüler? Ich bin ehrgeizig darin, Trost zu spenden, den höchsten Trost, ich lehre den Trost, und so schule ich meine Schüler. In diesem Sinn könnte man zu Recht sagen, ich lehrte den Ehrgeiz.“

Daraufhin sagte der General Sīha zum Buddha: „Vortrefflich, Herr! Vortrefflich! Von diesem Tag an soll der Buddha mich als Laienschüler in Erinnerung behalten, der für sein ganzes Leben Zuflucht genommen hat.“

„Sīha, du solltest sorgfältig abwägen, bevor du handelst. Es ist gut, wenn namhafte Persönlichkeiten wie du sorgfältig abwägen, bevor sie handeln.“

„Jetzt bin ich noch mehr über den Buddha erfreut und befriedigt, da er mir sagt, ich solle sorgfältig abwägen, bevor ich handele. Denn wenn die Anhänger anderer Konfessionen mich als Schüler gewännen, würden sie ein Banner durch ganz Vesālī tragen: ‚Der General Sīha ist unser Schüler geworden!‘ Und doch sagt der Buddha mir, ich solle sorgfältig abwägen, bevor ich handele. Zum zweiten Mal nehme ich Zuflucht zum Buddha, zur Lehre und zum Saṅgha der Mönche und Nonnen. Von diesem Tag an soll der Buddha mich als Laienschüler in Erinnerung behalten, der für sein ganzes Leben Zuflucht genommen hat.“

„Seit langem schon, Sīha, war deine Familie ein Quell der Unterstützung für die Jaina-Asketen. Du solltest erwägen, ihnen etwas zu geben, wenn sie kommen.“

„Jetzt bin ich noch mehr über den Buddha erfreut und befriedigt, da er mir sagt, ich solle erwägen, den Jaina-Asketen etwas zu geben, wenn sie kommen. Herr, ich habe gehört, der Asket Gotama würde sagen: ‚Nur mir soll man Gaben geben und nur meinen Schülern. Nur was mir gegeben wird, trägt reiche Frucht, nicht was anderen gegeben wird. Nur was meinen Schülern gegeben wird, trägt reiche Frucht, nicht was den Schülern anderer gegeben wird.‘ Doch der Buddha ermuntert mich, den Jaina-Asketen etwas zu geben. Nun, Herr, wir werden die rechte Zeit dafür kennen. Zum dritten Mal nehme ich Zuflucht zum Buddha, zur Lehre und zum Saṅgha der Mönche und Nonnen. Von diesem Tag an soll der Buddha mich als Laienschüler in Erinnerung behalten, der für sein ganzes Leben Zuflucht genommen hat.“

Dann unterwies der Buddha Sīha Schritt für Schritt mit einem Vortrag über Geben, Tugend und den Himmel. Er erklärte die Nachteile der Sinnenfreuden, die so schmutzig und unlauter sind, und die Vorteile der Entsagung. Und als der Buddha erkannte, dass Sīhas Geist bereit war, geschmeidig, frei von Hindernissen, freudig bewegt und zuversichtlich, da legte er die besondere Lehre der Buddhas dar: das Leiden, seinen Ursprung, sein Aufhören und den Weg. Wie ein reines, fleckenloses Tuch die Farbe richtig annimmt, ebenso erschien da dem General Sīha, wo er gerade saß, das unbefleckte, makellose Auge des Dhamma: „Alles, was einen Anfang hat, hat auch ein Ende.“

Und Sīha sah, erfasste, verstand und ergründete den Dhamma. Er ging über den Zweifel hinaus, machte sich von Unschlüssigkeit frei und gewann Selbstvertrauen, wurde in der Anleitung des Lehrers von anderen unabhängig. Er sagte zum Buddha: „Herr, der Buddha wolle bitte zusammen mit dem Saṅgha der Mönche und Nonnen die morgige Mahlzeit von mir annehmen.“ Der Buddha schwieg zum Zeichen der Zustimmung. Da erhob sich, als er die Zustimmung des Buddha erkannt hatte, Sīha von seinem Sitz, verbeugte sich, umrundete den Buddha respektvoll, die rechte Seite ihm zugewandt, und ging.

Darauf wandte Sīha sich an einen Mann: „He, Mann, bitte finde heraus, ob es Fleisch zum Verkauf gibt.“ Als dann die Nacht vorüber war, ließ der General Sīha in seiner eigenen Wohnung vorzügliche frische und gekochte Speisen zubereiten. Dann ließ er den Buddha über die Zeit benachrichtigen: „Es ist Zeit, Herr, das Essen ist fertig.“

Da kleidete der Buddha sich am Morgen an, nahm Schale und Robe, ging zusammen mit dem Saṅgha der Mönche und Nonnen zum Haus des Generals Sīha und setzte sich auf den ausgebreiteten Sitz. Nun zogen da viele Jaina-Asketen in Vesālī von Straße zu Straße und von Platz zu Platz und riefen mit erhobenen Armen aus: „Heute hat der General Sīha für das Mahl des Asketen Gotama ein fettes Kalb geschlachtet. Der Asket Gotama isst wissentlich Fleisch, das eigens für ihn zubereitet wurde. Das ist eine Tat, die er verursacht hat.“

Da ging ein gewisser Mensch zu Sīha und flüsterte ihm ins Ohr: „Bitte, Herr, das sollst du wissen: Viele Jaina-Asketen ziehen in Vesālī von Straße zu Straße und von Platz zu Platz und rufen mit erhobenen Armen aus: ‚Heute hat der General Sīha für das Mahl des Asketen Gotama ein fettes Kalb geschlachtet. Der Asket Gotama isst wissentlich Fleisch, das eigens für ihn zubereitet wurde. Das ist eine Tat, die er verursacht hat.‘“

„Genug, Meister. Seit langem schon wollten diese Ehrwürdigen den Buddha, seine Lehre und seinen Saṅgha in Verruf bringen. Sie werden nie aufhören, den Buddha mit ihren unrichtigen, leeren, falschen und unwahren Behauptungen falsch darzustellen. Wir würden niemals absichtlich einem lebenden Geschöpf das Leben nehmen, nicht einmal, wenn es um unser Leben ginge.“

Darauf bewirtete und bediente Sīha den Saṅgha der Mönche und Nonnen mit dem Buddha an der Spitze eigenhändig mit vorzüglichen frischen und gekochten Speisen. Als der Buddha gegessen und Hand und Schale gewaschen hatte, setzte Sīha sich zur Seite hin. Dann leitete der Buddha ihn mit einem Dhammavortrag an, ermunterte, begeisterte und erhob ihn. Darauf erhob er sich von seinem Sitz und ging.

Übersetzung: Deutsch (sabbamitta), English (sujato). Quelle: SuttaCentral / Bilara (gemeinfrei, CC0).