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AN8.51

6. Das Kapitel mit Gotamī

6. Gotamīvagga

Mit Gotamī

Einmal hielt sich der Buddha im Land der Sakyer bei Kapilavatthu auf, im Banyanbaum-Kloster. Da ging Mahāpajāpati Gotamī zum Buddha, verbeugte sich, stellte sich zur Seite hin und sagte zu ihm:

„Herr, bitte gewähre Frauenspersonen in der Lehre und Schulung, die vom Klargewordenen verkündet wurde, das Fortziehen aus dem Haus ins hauslose Leben.“

„Genug, Gotamī. Billige nicht das Fortziehen von Frauenspersonen aus dem Haus ins hauslose Leben in der Lehre und Schulung, die vom Klargewordenen verkündet wurde.“

Zum zweiten Mal …

und zum dritten Mal sagte Mahāpajāpati Gotamī zum Buddha:

„Herr, bitte gewähre Frauenspersonen in der Lehre und Schulung, die vom Klargewordenen verkündet wurde, das Fortziehen aus dem Haus ins hauslose Leben.“

„Genug, Gotamī. Billige nicht das Fortziehen von Frauenspersonen aus dem Haus ins hauslose Leben in der Lehre und Schulung, die vom Klargewordenen verkündet wurde.“

Da dachte Mahāpajāpati Gotamī: „Der Buddha erlaubt es Frauenspersonen nicht, fortzuziehen.“ Elend und traurig, weinend, mit tränenüberströmtem Gesicht verbeugte sie sich, umrundete den Buddha respektvoll, die rechte Seite ihm zugewandt, und ging.

Als der Buddha so lange in Kapilavatthu geblieben war, wie es ihm gefiel, brach er nach Vesālī auf. Er wanderte Stück für Stück, bis er nach Vesālī kam, und blieb dort am Großen Wald, in der Halle mit dem Giebeldach. Da ließ Mahāpajāpati Gotamī ihr Haar rasieren und legte ockerfarbene Roben an. Zusammen mit mehreren Sakyerdamen machte sie sich auf den Weg nach Vesālī. Sie wanderte Stück für Stück, bis sie nach Vesālī kam, und ging zur Halle mit dem Giebeldach am Großen Wald. Dort stand Mahāpajāpati Gotamī vor dem Tor mit geschwollenen Füßen und staubbedeckten Gliedern, elend und traurig, weinend, mit tränenüberströmtem Gesicht.

Der Ehrwürdige Ānanda sah sie da stehen und sagte zu ihr: „Gotamī, warum stehst du vor dem Tor mit geschwollenen Füßen und staubbedeckten Gliedern, elend und traurig, weinend, mit tränenüberströmtem Gesicht?“

„Ehrenwerter Ānanda, es ist, weil der Buddha es Frauenspersonen nicht erlaubt, in der Lehre und Schulung, die vom Klargewordenen verkündet wurde, fortzuziehen.“

„Nun, Gotamī, warte hier nur eine Weile, während ich den Buddha bitte, Frauenspersonen das Fortziehen zu gewähren.“

Und der Ehrwürdige Ānanda ging zum Buddha, verbeugte sich, setzte sich zur Seite hin und sagte zu ihm:

„Herr, Mahāpajāpati Gotamī steht vor dem Tor mit geschwollenen Füßen und staubbedeckten Gliedern, elend und traurig, weinend, mit tränenüberströmtem Gesicht. Sie sagt, es sei, weil der Buddha es Frauenspersonen nicht erlaube, fortzuziehen. Herr, bitte gewähre Frauenspersonen in der Lehre und Schulung, die vom Klargewordenen verkündet wurde, das Fortziehen aus dem Haus ins hauslose Leben.“

„Genug, Ānanda. Billige nicht das Fortziehen von Frauenspersonen aus dem Haus ins hauslose Leben in der Lehre und Schulung, die vom Klargewordenen verkündet wurde.“

Zum zweiten Mal …

und zum dritten Mal sagte Ānanda zum Buddha:

„Herr, bitte gewähre Frauenspersonen in der Lehre und Schulung, die vom Klargewordenen verkündet wurde, das Fortziehen aus dem Haus ins hauslose Leben.“

„Genug, Ānanda. Billige nicht das Fortziehen von Frauenspersonen aus dem Haus ins hauslose Leben in der Lehre und Schulung, die vom Klargewordenen verkündet wurde.“

Da dachte der Ehrwürdige Ānanda: „Der Buddha erlaubt es Frauenspersonen nicht, fortzuziehen. Warum versuche ich es nicht auf einem anderen Weg?“

Und der Ehrwürdige Ānanda sagte zum Buddha: „Herr, kann eine Frauensperson, nachdem sie fortgezogen ist, die Frucht des Stromeintritts, die Frucht der Einmalwiederkehr, die Frucht der Nichtwiederkehr und die Frucht der Vollendung erlangen?“

„Das kann sie, Ānanda.“

„Wenn eine Frauensperson, nachdem sie fortgezogen ist, die Frucht des Stromeintritts, die Frucht der Einmalwiederkehr, die Frucht der Nichtwiederkehr und die Frucht der Vollendung erlangen kann – Herr, Mahāpajāpati war dem Buddha eine große Hilfe. Sie ist seine Tante und hat ihn aufgezogen, ihn ernährt und ihm ihre Milch gegeben. Als seine leibliche Mutter starb, stillte sie ihn an ihrer Brust. Herr, bitte gewähre Frauenspersonen in der Lehre und Schulung, die vom Klargewordenen verkündet wurde, das Fortziehen aus dem Haus ins hauslose Leben.“

„Ānanda, wenn Mahāpajāpati Gotamī diese acht zu achtenden Grundsätze annimmt, wird das ihre Ordination sein:

Eine Nonne soll sich, selbst wenn sie hundert Jahre ordiniert ist, vor einem Mönch verbeugen, der eben an diesem Tag ordiniert wurde. Sie soll für ihn aufstehen, ihn mit zusammengelegten Händen begrüßen und ihm gegenüber respektvolle Umgangsformen zeigen. Dieser Grundsatz soll geehrt, geachtet, gewürdigt und verehrt und zeitlebens nicht übertreten werden.

Eine Nonne soll den Regenzeitaufenthalt nicht in einem Kloster antreten, in dem keine Mönche sind. Dieser Grundsatz soll geehrt, geachtet, gewürdigt und verehrt und zeitlebens nicht übertreten werden.

Alle vierzehn Tage sollen die Nonnen von der Gemeinschaft der Mönche zwei Dinge erbitten: den Zeitpunkt des Besinnungstages und einen Besuch zur Unterweisung. Dieser Grundsatz soll geehrt, geachtet, gewürdigt und verehrt und zeitlebens nicht übertreten werden.

Nach Abschluss des Regenzeitaufenthalts sollen die Nonnen sowohl die Gemeinschaft der Mönche als auch die der Nonnen zur Ermahnung einladen in Bezug auf alles, was gesehen, gehört oder vermutet wurde. Dieser Grundsatz soll geehrt, geachtet, gewürdigt und verehrt und zeitlebens nicht übertreten werden.

Eine Nonne, die einen schweren Verstoß begangen hat, soll sich sowohl vor der Gemeinschaft der Mönche als auch der der Nonnen vierzehn Tage lang der Buße unterziehen. Dieser Grundsatz soll geehrt, geachtet, gewürdigt und verehrt und zeitlebens nicht übertreten werden.

Eine Nonne in Schulung, die sich zwei Jahre lang in den sechs Regeln geschult hat, soll sowohl die Gemeinschaft der Mönche als auch die der Nonnen um Ordination ersuchen. Dieser Grundsatz soll geehrt, geachtet, gewürdigt und verehrt und zeitlebens nicht übertreten werden.

Eine Nonne sollte einen Mönch in keiner Weise beschimpfen oder beleidigen. Dieser Grundsatz soll geehrt, geachtet, gewürdigt und verehrt und zeitlebens nicht übertreten werden.

Von diesem Tag an ist es Nonnen verboten, Mönche zu kritisieren, aber es ist Mönchen nicht verboten, Nonnen zu kritisieren. Dieser Grundsatz soll geehrt, geachtet, gewürdigt und verehrt und zeitlebens nicht übertreten werden.

Wenn Mahāpajāpati Gotamī diese acht zu achtenden Grundsätze annimmt, wird das ihre Ordination sein.“

Da ging Ānanda, nachdem er in Gegenwart des Buddha selbst diese acht zu achtenden Grundsätze gelernt hatte, zu Mahāpajāpati Gotamī und sagte:

„Gotamī, wenn du diese acht zu achtenden Grundsätze annimmst, wird das deine Ordination sein:

Eine Nonne soll sich, selbst wenn sie hundert Jahre ordiniert ist, vor einem Mönch verbeugen, der eben an diesem Tag ordiniert wurde. Sie soll für ihn aufstehen, ihn mit zusammengelegten Händen begrüßen und ihm gegenüber respektvolle Umgangsformen zeigen. Dieser Grundsatz soll geehrt, geachtet, gewürdigt und verehrt und zeitlebens nicht übertreten werden. …

Von diesem Tag an ist es Nonnen verboten, Mönche zu kritisieren, aber es ist Mönchen nicht verboten, Nonnen zu kritisieren. Dieser Grundsatz soll geehrt, geachtet, gewürdigt und verehrt und zeitlebens nicht übertreten werden. Wenn du diese acht zu achtenden Grundsätze annimmst, wird das deine Ordination sein.“

„Ānanda, wie eine Frau oder ein Mann, jung, jugendlich, in Schmuck vernarrt, mit frisch gebadetem Kopf: Wenn dieser Mensch einen Kranz aus Lotus-, Jasmin- oder Lianenblüten bekäme, würde er ihn mit beiden Händen nehmen und oben auf seinen Kopf setzen. Ebenso, Herr, nehme ich diese acht zu achtenden Grundsätze an, die zeitlebens nicht übertreten werden sollen.“

Da ging der Ehrwürdige Ānanda zum Buddha, verbeugte sich, setzte sich zur Seite hin und sagte zu ihm:

„Herr, Mahāpajāpati Gotamī hat diese acht zu achtenden Grundsätze angenommen, die zeitlebens nicht übertreten werden sollen.“

„Ānanda, wenn in der Lehre und Schulung, die vom Klargewordenen verkündet wurde, Frauenspersonen nicht das Fortziehen aus dem Haus ins hauslose Leben gewährt worden wäre, hätte dieses geistliche Leben lange bestanden. Die wahre Lehre hätte tausend Jahre bestanden. Aber da Frauenspersonen das Fortziehen gewährt wurde, wird das geistliche Leben nun nicht lange bestehen. Die wahre Lehre wird nur fünfhundert Jahre bestehen.

Wie diese Familien mit vielen Frauen und wenigen Männern: Sie sind leichte Beute für Räuber und Diebe. Ebenso besteht das geistliche Leben in einer Lehre und Schulung, in der Frauenspersonen das Fortziehen gewährt wird, nicht lange.

Wie ein heranreifendes Reisfeld: Sobald es von der Krankheit genannt ‚Weißknochen-Krankheit‘ befallen wird, besteht es nicht lange. Ebenso besteht das geistliche Leben in einer Lehre und Schulung, in der Frauenspersonen das Fortziehen gewährt wird, nicht lange.

Wie ein heranreifendes Feld mit Zuckerrohr: Sobald es von der Krankheit genannt ‚Rotfäule‘ befallen wird, besteht es nicht lange. Ebenso besteht das geistliche Leben in einer Lehre und Schulung, in der Frauenspersonen das Fortziehen gewährt wird, nicht lange.

Wie wenn ein Mann als Vorsichtsmaßnahme einen Deich um einen großen See herum baut, damit das Wasser nicht überfließt, ebenso habe ich als Vorsichtsmaßnahme die acht zu achtenden Grundsätze verordnet, die zeitlebens nicht übertreten werden sollen.“

Übersetzung: Deutsch (sabbamitta), English (sujato). Quelle: SuttaCentral / Bilara (gemeinfrei, CC0).