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AN9.11

2. Das Kapitel über das Löwengebrüll

2. Sīhanādavagga

Sāriputtas Löwengebrüll

Einmal hielt sich der Buddha bei Sāvatthī in Jetas Wäldchen auf, dem Kloster des Anāthapiṇḍika.

Da ging der Ehrwürdige Sāriputta zum Buddha, verbeugte sich, setzte sich zur Seite hin und sagte zu ihm: „Herr, ich habe den Regenzeitaufenthalt in Sāvatthī abgeschlossen. Ich möchte aufbrechen, um über Land zu wandern.“

„Bitte, Sāriputta, geh nach deinem Belieben.“ Da erhob sich der Ehrwürdige Sāriputta von seinem Sitz, verbeugte sich, umrundete den Buddha respektvoll, die rechte Seite ihm zugewandt, und ging.

Nicht lange, nachdem er gegangen war, sagte ein gewisser Mönch zum Buddha: „Herr, der Ehrwürdige Sāriputta hat mich angegriffen und ist fortgegangen, ohne sich zu entschuldigen.“

Da wandte sich der Buddha an einen Mönch: „Bitte, Mönch, sag Sāriputta in meinem Namen, dass der Lehrer ihn rufen lässt.“

„Ja, Herr“, antwortete der Mönch. Er ging zu Sāriputta und sagte zu ihm: „Geehrter Sāriputta, der Lehrer lässt dich rufen.“

„Ja, Geehrter“, antwortete Sāriputta.

Zu dieser Zeit nun nahmen der Ehrwürdige Mahāmoggallāna und der Ehrwürdige Ānanda einen Schlüssel für den Riegel und gingen von einer Hütte zur anderen: „Kommt her, Ehrwürdige! Kommt her, Ehrwürdige! Jetzt wird der Ehrwürdige Sāriputta unter den Augen des Buddha sein Löwengebrüll brüllen!“

Und der Ehrwürdige Sāriputta ging zum Buddha, verbeugte sich und setzte sich zur Seite hin. Der Buddha sagte zu ihm:

„Sāriputta, einer deiner geistlichen Gefährten hat diese Anklage erhoben: ‚Der Ehrwürdige Sāriputta hat mich angegriffen und ist fortgegangen, ohne sich zu entschuldigen.‘“

„Herr, jemand, der die Achtsamkeit auf den Körper nicht verankert hat, kann wohl einen seiner geistlichen Gefährten angreifen und fortgehen, ohne sich zu entschuldigen.

Wie wenn sie sowohl reine als auch unreine Dinge auf die Erde werfen würden wie Kot, Urin, Speichel, Eiter und Blut: Die Erde wäre deshalb nicht entsetzt, abgestoßen und angewidert. Ebenso lebe ich mit einem Herzen wie die Erde – weit, ausgedehnt, grenzenlos, frei von Feindschaft und bösem Willen. Jemand, der die Achtsamkeit auf den Körper nicht verankert hat, kann wohl einen seiner geistlichen Gefährten angreifen und fortgehen, ohne sich zu entschuldigen.

Wie wenn sie sowohl reine als auch unreine Dinge im Wasser waschen würden wie Kot, Urin, Speichel, Eiter und Blut: Das Wasser wäre deshalb nicht entsetzt, abgestoßen und angewidert. Ebenso lebe ich mit einem Herzen wie das Wasser – weit, ausgedehnt, grenzenlos, frei von Feindschaft und bösem Willen. Jemand, der die Achtsamkeit auf den Körper nicht verankert hat, kann wohl einen seiner geistlichen Gefährten angreifen und fortgehen, ohne sich zu entschuldigen.

Wie wenn ein Feuer sowohl reine als auch unreine Dinge verbrennen würde wie Kot, Urin, Speichel, Eiter und Blut: Das Feuer wäre deshalb nicht entsetzt, abgestoßen und angewidert. Ebenso lebe ich mit einem Herzen wie das Feuer – weit, ausgedehnt, grenzenlos, frei von Feindschaft und bösem Willen. Jemand, der die Achtsamkeit auf den Körper nicht verankert hat, kann wohl einen seiner geistlichen Gefährten angreifen und fortgehen, ohne sich zu entschuldigen.

Wie wenn Wind sowohl über reine als auch auf unreine Dinge streichen würde wie Kot, Urin, Speichel, Eiter und Blut: Der Wind wäre deshalb nicht entsetzt, abgestoßen und angewidert. Ebenso lebe ich mit einem Herzen wie der Wind – weit, ausgedehnt, grenzenlos, frei von Feindschaft und bösem Willen. Jemand, der die Achtsamkeit auf den Körper nicht verankert hat, kann wohl einen seiner geistlichen Gefährten angreifen und fortgehen, ohne sich zu entschuldigen.

Wie wenn ein Lappen sowohl reine als auch unreine Dinge aufwischen würde wie Kot, Urin, Speichel, Eiter und Blut: Der Lappen wäre deshalb nicht entsetzt, abgestoßen und angewidert. Ebenso lebe ich mit einem Herzen wie ein Lappen – weit, ausgedehnt, grenzenlos, frei von Feindschaft und bösem Willen. Jemand, der die Achtsamkeit auf den Körper nicht verankert hat, kann wohl einen seiner geistlichen Gefährten angreifen und fortgehen, ohne sich zu entschuldigen.

Wie wenn ein Junge oder Mädchen von einem Leichenarbeiter-Stamm, einen Topf in der Hand und in Lumpen gekleidet, ein Dorf oder eine Stadt betreten würde: Sie würden das mit bescheidenem Geist tun. Ebenso lebe ich mit einem Herzen wie ein Junge oder Mädchen von einem Leichenarbeiter-Stamm – weit, ausgedehnt, grenzenlos, frei von Feindschaft und bösem Willen. Jemand, der die Achtsamkeit auf den Körper nicht verankert hat, kann wohl einen seiner geistlichen Gefährten angreifen und fortgehen, ohne sich zu entschuldigen.

Wie ein Stier mit abgesägten Hörnern, sanftmütig, gut gezähmt und gut geschult: Wenn er von Straße zu Straße und von Platz zu Platz wandert, verletzt er niemanden mit seinen Hufen oder Hörnern. Ebenso lebe ich mit einem Herzen wie ein Stier mit abgesägten Hörnern – weit, ausgedehnt, grenzenlos, frei von Feindschaft und bösem Willen. Jemand, der die Achtsamkeit auf den Körper nicht verankert hat, kann wohl einen seiner geistlichen Gefährten angreifen und fortgehen, ohne sich zu entschuldigen.

Wie eine Frau oder ein Mann, jung, jugendlich, in Schmuck vernarrt, mit frisch gebadetem Kopf: Wenn man diesem Menschen einen Schlangen- oder Hunde- oder Menschenkadaver um den Hals legen würde, wäre er entsetzt, abgestoßen und angewidert. Ebenso bin ich von diesem verfaulten Körper entsetzt, abgestoßen und angewidert. Jemand, der die Achtsamkeit auf den Körper nicht verankert hat, kann wohl einen seiner geistlichen Gefährten angreifen und fortgehen, ohne sich zu entschuldigen.

Wie wenn jemand eine Schale mit Fett herumtragen würde, aus der es durch Löcher und Risse heraussickern und herausquellen würde. Ebenso trage ich diesen Körper herum, aus dem es durch Löcher und Risse heraussickert und herausquillt. Jemand, der die Achtsamkeit auf den Körper nicht verankert hat, kann wohl einen seiner geistlichen Gefährten angreifen und fortgehen, ohne sich zu entschuldigen.“

Da erhob sich jener Mönch von seinem Sitz, ordnete seine Robe über einer Schulter, beugte seinen Kopf zu den Füßen des Buddha und sagte: „Ich habe einen Fehler gemacht, Herr. Es war töricht, dumm und untauglich von mir, mit einer unrichtigen, leeren, falschen und unwahren Behauptung schlecht vom Ehrwürdigen Sāriputta zu sprechen. Bitte, Herr, nimm meinen Fehler als Fehler an, und ich will mich in Zukunft zügeln.“

„Jawohl, Mönch, du hast einen Fehler gemacht. Es war töricht, dumm und untauglich von dir, das zu tun. Aber da du deinen Fehler als Fehler erkannt hast und richtig mit ihm verfahren bist, nehme ich ihn an. Denn es gilt als Fortschritt in der Schulung des Edlen, einen Fehler als Fehler zu erkennen, richtig mit ihm zu verfahren und sich zu verpflichten, sich in der Zukunft zu zügeln.“

Dann sagte der Buddha zum Ehrwürdigen Sāriputta: „Sāriputta, vergib diesem unnützen Mann, bevor sein Kopf eben hier in sieben Stücke zerspringt.“

„Ich will diesem Ehrwürdigen vergeben, wenn er mich bittet: ‚Dass der Ehrwürdige mir bitte auch vergebe.‘“

Übersetzung: Deutsch (sabbamitta), English (sujato). Quelle: SuttaCentral / Bilara (gemeinfrei, CC0).