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THAG19.1

Das Fünfzigerbuch

Paññāsanipāta

1. Das erste Kapitel

Tālapuṭa

Ach, wann werde ich in einer Berghöhle leben, allein ohne Gefährten, und alle Daseinszustände als unbeständig klar sehen? Wann wird das sein?

Ach, wann werde ich glücklich im Wald leben, ein Abgeklärter in zerrissener Robe, in Ocker gehüllt, selbstlos, der keine Hoffnung braucht, der Gier, Hass und auch Täuschung zerstört hat?

Ach, wann werde ich allein im Wald leben, diesen Körper als unbeständig klar sehen, als Hort von Tod und Krankheit, von Tod und Alter bedrängt? Wann wird das sein?

Ach, wann werde ich das scharfe Schwert der Weisheit ergriffen und die Schlingpflanze des Verlangens durchschnitten haben, die sich um alles rankt, die Mutter der Furcht, die Leiden bringt? Wann wird das sein?

Ach, wann werde ich auf dem Löwenthron sitzen und rasch das Schwert der Seher ergreifen, von Weisheit geschmiedet, mit feuriger Macht, und Māra und sein Heer rasch brechen? Wann wird das sein?

Ach, wann wird man mich in den Versammlungen mit denen sehen, die redlich und unberührt sind und den Dhamma achten, die die Dinge wahrhaftig sehen und über die Sinne gesiegt haben? Wann wird das sein?

Ach, wann werde ich mich auf mein eigenes Ziel richten, am Bergring, nicht bedrängt von Lustlosigkeit, Hunger, Durst, Wind, Sonne, Insekten und Kriechtieren? Wann wird das sein?

Ach, wann werde ich, gesammelt und achtsam, die vier Wahrheiten verstehen, die vom großen Seher erkannt wurden und die so schwer zu sehen sind? Wann wird das sein?

Ach, wann werde ich, der Sammlung geweiht, die zahllosen Bilder, Töne, Gerüche, Geschmäcke, Berührungen und Vorstellungen mit Weisheit als brennend sehen? Wann wird das sein?

Ach, wann werde ich nicht mehr wegen Tadel verstört oder wegen Lob freudig bewegt sein? Wann wird das sein?

Ach, wann werde ich die Aggregate und die vielen verschiedenen Erscheinungen klar sehen, sowohl innen als auch außen, nicht anders als Holz, Gras und Schlingpflanzen? Wann wird das sein?

Ach, wann werden die Monsunwolken zur rechten Zeit mich im Wald in meiner Robe frisch durchnässen, wenn ich den Pfad gehe, der von den Sehern beschritten wurde? Wann wird das sein?

Ach, wann werde ich in der Berghöhle den Schrei des gekrönten Pfauen im Wald hören und aufstehen, entschlossen, zu erlangen, was frei vom Tod ist? Wann wird das sein?

Ach, wann werde ich die Flüsse Ganges, Yamunā und Sarasvatī, das Land Pātāla und das gefährliche Baḷavāmukha-Meer mit übersinnlicher Kraft ungehindert überqueren? Wann wird das sein?

Ach, wann werde ich der Vertiefung geweiht sein, das Merkmal des Schönen gänzlich ablehnen, das Sehnen nach Sinnesreizen zerschmettern wie ein Elefant, der ungehindert wandert? Wann wird das sein?

Ach, wann werde ich die Lehre des großen Sehers verwirklichen und zufrieden sein wie ein Bedürftiger, verschuldet, von Gläubigern bedrängt, der einen verborgenen Schatz findet? Wann wird das sein?

Viele Jahre lang hast du mich angebettelt: „Genug für dich mit dem Leben im Haus!“ Warum spornst du mich nicht an, Geist, jetzt, da ich als Asket fortgezogen bin?

Hast du mich nicht gelockt, Geist: „Auf dem Bergring werden dich die Vögel mit bunten Flügeln erfreuen, indem sie den Donner, Mahindas Stimme, grüßen, wenn du im Wald meditierst“?

Die Freunde, Lieben und Verwandten im Familienkreis, Sport, Spiel und Sinnesreize in der Welt, all diese gab ich auf, als ich dieses Leben begann: Selbst jetzt, Geist, bist du nicht zufrieden mit mir!

Das ist einzig meins, es gehört niemand anderem; warum jammern, wenn es Zeit ist, die Rüstung anzulegen? Da ich beobachtete, dass all das wandelbar ist, zog ich fort auf der Suche nach dem, das frei vom Tod ist.

Der methodische Lehrer, der Höchste unter den Menschen, der große Heiler, Anleiter für alle, die schulungsfähig sind, sagte: „Der Geist zappelt wie ein Affe, er ist sehr schwer zu zügeln, wenn man nicht frei von Begehren ist.“

Sinnenfreuden sind vielfältig, süß, dem Geist gefällig; ein unwissender gewöhnlicher Mensch hängt daran. Auf der Suche nach künftigen Leben wünscht er Leiden; von seinem Geist wird er geführt und in die Hölle verbannt.

„Lebe im Wäldchen, das von den Rufen der Pfauen und Reiher widerhallt und mit Leoparden und Tigern geschmückt ist, gib die Sorge um den Körper ohne Fehlschlag auf!“ So drängtest du mich früher, Geist.

„Entwickle die Vertiefungen und die Fähigkeiten, die Kräfte, Faktoren des Erwachens, Versenkung; verwirkliche das dreifache Wissen in der Lehre des Buddha!“ So drängtest du mich früher, Geist.

„Um zu erlangen, was frei vom Tod ist, entwickle den achtfachen Pfad, der mündig macht, in das Ende allen Leidens eintaucht und alle Befleckungen läutert!“ So drängtest du mich früher, Geist.

„Denke wohlüberlegt über die Aggregate als Leiden nach und gib auf, was Leiden hervorbringt; mache dem Leiden in eben diesem Leben ein Ende!“ So drängtest du mich früher, Geist.

„Sieh klar und wohlüberlegt, dass Unbeständigkeit Leiden ist, dass Leerheit ohne Selbst und dass Düsternis Tod ist; schneide den wandernden Geist ab!“ So drängtest du mich früher, Geist.

„Kahlgeschoren, unansehnlich, verwünscht, so suche bei Familien Almosen, die Schale in der Hand; weihe dich dem Wort des Lehrers, des großen Sehers!“ So drängtest du mich früher, Geist.

„Wandere wohl gezügelt auf den Straßen, im Geist nicht an Familien und Sinnenfreuden haftend, wie der Vollmond in einer klaren Nacht!“ So drängtest du mich früher, Geist.

„Sei ein Wildnisbewohner und Almosenesser, einer, der auf Leichenfeldern lebt und Fetzenroben trägt, einer, der sich nie hinlegt und sich stets an Asketenübung freut!“ So drängtest du mich früher, Geist.

Wie jemand, der Bäume pflanzt und eben diese Bäume fällen will, wenn sie dabei sind, Frucht zu tragen: Gerade so, Geist, handelst du, wenn du mich zum Unbeständigen und Wandelbaren drängst.

Körperloser Geist, der weit reist und einsam wandert: Ich werde nicht mehr tun, was du verlangst. Sinnenfreuden sind Leiden, schmerzhaft und sehr gefährlich; ich werde wandern und meinen Geist nur auf das Erlöschen richten.

Ich zog nicht fort, weil ich Pech hatte oder gewissenlos war oder aus einer Laune heraus, oder weil ich verbannt wurde, noch um des Lebenserwerbs willen; ich tat es, weil ich deinem Versprechen zustimmte, Geist:

„Genügsam sein, Geringschätzung aufgeben, das Leiden zur Ruhe bringen: Das wird von wahren Menschen gepriesen.“ So drängtest du mich früher, Geist, doch jetzt kehrst du zu deinen alten Gewohnheiten zurück!

Verlangen, Unwissenheit, die Lieben und Unlieben, hübsche Bilder, angenehme Gefühle und die angenehmen Sinnesreize: Ich habe sie ausgespien, ich kann sie nicht wieder schlucken.

Ich habe in jeder Hinsicht getan, was du verlangtest, Geist! In vielen Geburten tat ich nichts, was dir nicht gefallen hätte. Doch die Schöpfung in mir kommt durch deine Undankbarkeit – lange Zeit bin ich in dem Leiden gewandert, das du geschaffen hast.

Du allein, Geist, machst einen Brahmanen, du machst einen Adligen oder königlichen Seher. Manchmal werden wir Landarbeiter oder Hilfsarbeiter, auch das Leben als Gott ist dir allein geschuldet.

Du machst uns auch zu Titanen, wegen dir werden wir in der Hölle geboren. Manchmal werden wir dann Tiere, auch das Leben als Gespenst ist dir geschuldet.

Komme, was da wolle, du wirst mich nicht wieder betrügen, mich mit deinem stets wechselnden Spiel blenden! Du spielst mit mir, als sei ich verrückt – doch wie habe ich dich je im Stich gelassen, Geist?

Früher wanderte mein Geist, wie er wünschte, wie er mochte, wie es ihm gefiel. Jetzt lenke ich ihn sorgfältig, wie ein Zureiter einen brünstigen Elefanten mit einem Haken lenkt.

Der Lehrer veranlasste, dass mir diese Welt unbeständig, brüchig und substanzlos erschien. Geist, lass mich den Sprung in die Lehre des Siegers tun, trage mich über die große Flut, über die man so schwer hinüberkommt.

Geist, die Zeiten haben sich geändert! Nichts könnte mich dazu bringen, mich wieder in deine Gewalt zu begeben! Ich bin im Lehrsystem des großen Sehers fortgezogen, meinesgleichen geht nicht zugrunde.

Berge, Meere, Flüsse, die Erde, die vier Himmelsrichtungen und Zwischenräume, darunter und im Himmel: Die drei Bereiche des Daseins sind alle unbeständig und in Not – wohin kannst du gehen, Geist, um Glück zu finden?

Geist, was willst du mit jemandem tun, der die äußerste Verpflichtung auf sich genommen hat? Nichts könnte mich zu deinem gehorsamen Anhänger machen, Geist, ich würde nie einen Blasebalg anfassen, der auf jeder Seite einen offenen Mund hat; Verflucht sei dieses sterbliche Gerüst, aus dem neun Ströme fließen!

Du hast die Bergspitze erklommen, wo die Natur ihre Schönheit zeigt, wo Wildschweine und Antilopen verkehren, ein Wäldchen, zur Monsunzeit mit frischem Wasser besprengt; da wirst du im Heim deiner Höhle glücklich sein.

Pfauen mit schönen Schöpfen und Schwänzen, bunten Schwanzfedern und Flügeln rufen beim widerhallenden Donner: Sie werden dich erfreuen, während du im Wald meditierst.

Wenn die Himmel geregnet haben und das Gras vier Daumenbreit hoch ist und der Wald wie eine Wolke von Blüten, werde ich zwischen den Bergen liegen wie in einer Baumgabel; es wird weich sein wie ein Wattebausch.

Doch ich werde tun, was ein Herr tut: Was ich auch bekomme, soll genug für mich sein. Und darum werde ich dich so geschmeidig machen wie ein unermüdlicher Arbeiter eine Tasche aus Katzenfell.

Doch ich werde tun, was ein Herr tut: Was ich auch bekomme, soll genug für mich sein. Ich werde dich mit meiner Energie lenken wie ein geschickter Zureiter einen Elefanten mit dem Haken.

Nun, da du gut gezähmt und zuverlässig bist, kann ich dich gebrauchen wie ein Zureiter ein Pferd, das gerade läuft, um dem Pfad der Anmut zu folgen, der entwickelt wurde von denen, die ihren Geist schützen.

Ich werde dich fest an ein Meditationsthema binden, wie ein Elefant mit einem starken Seil an einen Pfosten gebunden wird. Du wirst von mir gut bewacht werden, durch Achtsamkeit gut entwickelt, ohne an Wiedergeburt in irgendeinem Daseinszustand zu hängen.

Mit Weisheit wirst du den, der dem falschen Pfad folgte, abschneiden, ihm durch Übung Einhalt gebieten, ihn auf dem rechten Pfad verankern. Wenn du Entstehen und Vergehen in Bezug auf den Ursprung des Leidens gesehen hast, wirst du ein Erbe des größten Lehrers sein.

Im Bann des vierfachen Verdrehens, Geist, zogst du mich im Kreis wie eine Kuh in einer Grube; und jetzt willst du dich nicht dem großen mitfühlenden Abgeklärten anschließen, der Fesseln und Ketten durchtrennt hat?

Wie ein Hirsch, der frei im bunten Wald umherzieht, werde ich den entzückenden Berg besteigen, von Monsunwolken bekränzt, und mich freuen, auf diesem Hügel zu sein, ohne Menschen – kein Zweifel, du wirst untergehen, Geist.

Männer und Frauen, die unter deinem Willen und in deiner Gewalt sind, ganz gleich, wie angenehm ihre Erfahrung, sind unwissend und geraten in Māras Bann; indem sie das Leben lieben, sind sie deine Schüler, Geist.

Übersetzung: Deutsch (sabbamitta), English (sujato). Quelle: SuttaCentral / Bilara (gemeinfrei, CC0).