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THAG21.1

Das große Buch

Mahānipāta

1. Das erste Kapitel

Vaṅgīsa

„Jetzt, da ich das Leben im Haus zurückgelassen habe für das hauslose Leben, werde ich von den unhöflichen Gedanken des Dunklen überrannt.

Selbst wenn tausend mächtige Prinzen und große Bogenschützen, gut geschult, mit kräftigen Bögen, mich von allen Seiten umringten, würde ich niemals fliehen.

Und auch wenn Frauen kommen, viel mehr als diese, werden sie mich nicht stören, denn ich stehe fest in der Lehre.

Mit eigenen Ohren habe ich das gehört vom Buddha, der mit der Sonne verwandt ist, über den Pfad, der zum Erlöschen führt; diesen Ort liebt mein Geist über alles.

Böser, wenn du mir nahe kommst, wenn ich so meditiere, werde ich dafür sorgen, dass du, Tod, nicht einmal den Pfad sehen wirst, den ich einschlage.“

„Er gibt Widerwillen und Begierde auf und alle Gedanken an das Leben im Haus, auf kein Gewirr lässt er sich ein; ohne Gewirr, von Gewirr frei: Das ist ein wahrer Mönch.

Was immer hier zur Form gehört, auf Erden, im Himmel, in der Tiefe des Wandelsterns, es nutzt sich ab, ist alles unbeständig; die sich selbst geprüft haben, haben das verstanden und leben danach.

Menschen hängen fest an ihren Bindungen am Aufprall von Gesehenem und Gehörtem und an dem, was gedacht wird. Sei unbewegt, vertreibe das Sehnen nach diesen Dingen, denn einer, den man ‚einen Abgeklärten‘ nennt, haftet nicht daran.

In den sechzig falschen Ansichten gefangen, voller eigener Meinungen, so sind gewöhnliche Menschen auf falsche Grundsätze fixiert. Aber dieser Mönch würde sich keiner Sekte anschließen, noch weniger würde er obszöne Reden äußern.

Tüchtig, lange im Samādhi versunken, nicht betrügerisch, wach, ohne Neid – der Abgeklärte hat den Zustand des Friedens erreicht; und weil er verloschen ist, wartet er seine Zeit ab.“

„Gib die Einbildung auf, Gotama! Gib die verschiedenen Arten der Einbildung vollständig auf! Von den verschiedenen Arten der Einbildung besessen, warst du lange von Reue geplagt.

Vom Beschmieren beschmiert und von der Einbildung geschlagen, so stürzen Menschen in die Hölle. Wenn die von der Einbildung Geschlagenen in der Hölle wiedergeboren werden, grämen sie sich lange Zeit.

Aber ein Mönch, der richtig übt, ein Pfad-Sieger, grämt sich nie. Er genießt Glück und hat einen guten Ruf, und er wird zu Recht ein ‚Seher der Wahrheit‘ genannt.

Wenn einer daher nicht unfruchtbar, sondern energisch ist, die Hindernisse aufgegeben, rein, und wenn er die Einbildung vollständig aufgegeben hat, er, der durch Wissen ein Ende macht, ist beruhigt.“

„Ich habe eine brennende Begierde nach Sinnenfreuden; mein Geist steht in Flammen! Bitte, Gotama, sag mir aus Anteilnahme, wie ich die Flammen löschen kann.“

„Weil deine Wahrnehmung verzerrt ist, deshalb steht dein Geist in Flammen. Wende dich von dem Merkmal ab, das anziehend ist und Wollust erregt.

Meditiere mit geeintem und gesammeltem Geist über das Abstoßende am Körper. Versenke die Achtsamkeit im Körper und sei äußerst ernüchtert.

Meditiere über das Merkmalslose, gib die zugrunde liegende Neigung zur Einbildung auf; und wenn du die Einbildung erfasst, wirst du in Frieden leben.“

„Sprich nur solche Worte, die weder dich selbst noch andere verletzen; solche Rede ist wahrlich gut gesprochen.

Sprich nur angenehme Worte, Worte, die man gern willkommen heißt. Angenehm sind Worte, die anderen nichts Böses bringen.

Die Wahrheit selbst ist das unsterbliche Wort: Das ist eine Lehre von alters her. Gute Menschen sagen, die Lehre und die Bedeutung seien auf Wahrheit gegründet.

Die Worte, die vom Buddha gesprochen sind, um das Refugium zu finden, das Erlöschen, um dem Leiden ein Ende zu machen: Das ist wirklich die höchste Rede.“

„Tiefgründig in der Weisheit, verständig, bewandert darin, was der Pfad und was nicht der Pfad ist – Sāriputta, der so überaus weise ist, lehrt die Mönche und Nonnen den Dhamma.

Er lehrt ihn kurz, er spricht ausführlich. Sein Ruf, wie ein Maina-Vogel, fließt über vor Ergriffenheit.

Während er lehrt, lauschen die Mönche und Nonnen seiner süßen Stimme, die anziehend klingt, klar und melodisch. Freudig hören sie zu, ihre Herzen freudig bewegt.“

„Heute, am fünfzehnten Tag, dem Besinnungstag, haben sich fünfhundert Mönche versammelt, um ihre Regeln zu läutern. Diese unbeschwerten Eremiten haben ihre Fesseln und Ketten durchtrennt, sie werden nicht wieder geboren werden.

Gerade wie ein Rad-drehender Herrscher mit seinen Ministern im Gefolge dieses von der See umspülte Land ganz umwandert,

so verehren die Schüler den Sieger in der Schlacht, den unübertroffenen Karawanenführer – sie, die das dreifache Wissen besitzen, die den Tod bezwungen haben.

Alle sind Söhne des Gesegneten, es gibt hier keine Spreu. Vor dem, der mit der Sonne verwandt ist, verbeuge ich mich, der den Pfeil des Verlangens zerstört hat.“

„Über tausend Mönche und Nonnen verehren den Heiligen, wie er den unbefleckten Dhamma lehrt, das Erlöschen, allseitige Furchtlosigkeit.

Sie lauschen dem unbefleckten Dhamma, der vom vollkommen erwachten Buddha gelehrt wird; so glänzend ist der Buddha, wie er vor dem Saṅgha der Mönche und Nonnen sitzt.

Gesegneter, dein Name ist ‚Riese‘, der siebte der Seher. Du bist wie eine große Regenwolke, die auf deine Schüler niederregnet.

Ich habe mich von meiner Meditation des Tages erhoben, weil ich den Lehrer sehen wollte. Großer Held, dein Schüler Vaṅgīsa verbeugt sich zu deinen Füßen.“

„Nachdem du Māras falschen Pfad überwunden hast, wanderst du, die Öde aufgebrochen. Seht ihn, den Befreier von den Fesseln, wie er das Ungebundene abschnittsweise zergliedert.

Auf viele Arten hast du den Weg erklärt, um die Flut zu überqueren. Die Seher der Wahrheit stehen, ohne zu wanken, in dem, das frei vom Tod ist, von dir erklärt.

Du Lichtbringer, der die Wahrheit durchdrungen hat, du hast gesehen, was jenseits aller Ebenen liegt. Nachdem du es selbst gesehen und erkannt hast, hast du es zuerst die Gruppe der Fünf gelehrt.

Da der Dhamma so gut gelehrt ist, wie könnte jemand, der ihn kennt, nachlässig sein? Daher sollten wir beflissen sein und uns stets respektvoll in der Lehre des Buddha schulen.“

„Der altehrwürdige Mönch, nach dem Buddha erwacht, Koṇḍañña, ist von eifriger Ausdauer. Regelmäßig erlangt er die selige Meditation der Abgeschiedenheit.

Was auch von einem Schüler erlangt werden kann, der das Geheiß des Lehrers befolgt, das alles hat er erlangt, indem er sich beflissen schulte.

Mit großer Macht und dem dreifachen Wissen, kundig im Erfassen des Geistes anderer – Koṇḍañña, der Erbe des Buddha, verbeugt sich zu Füßen des Lehrers.“

„Da der Abgeklärte, der über das Leiden hinausgegangen ist, am Berghang sitzt, wird er von Schülern mit dreifachem Wissen verehrt, die den Tod bezwungen haben.

Moggallāna, mit großer übersinnlicher Kraft, erfasst und prüft mit seinem Geist ihren Geist, der befreit ist, von Bindungen frei.

So verehren die, die viele erlesene Eigenschaften besitzen, Gotama, den Abgeklärten, der über das Leiden hinausgegangen ist, in jeder Hinsicht vollkommen.“

„Wie der Mond in wolkenloser Nacht, wie die leuchtende, makellose Sonne, so übertrifft, Aṅgīrasa, du großer Abgeklärter, dein Glanz die ganze Welt.“

„Früher sind wir, trunken von Poesie, von Dorf zu Dorf, von Stadt zu Stadt gewandert. Dann sahen wir den Buddha, der über alle Dinge hinausgegangen ist.

Er lehrte mich den Dhamma: der Abgeklärte, der über das Leiden hinausgegangen ist. Als wir den Dhamma hörten, wurden wir zuversichtlich und Vertrauen kam in uns auf.

Als ich seine Worte gehört hatte von den Aggregaten, den Sinnesfeldern und den Elementen, da verstand ich; und ich zog fort ins hauslose Leben.

Es ist wahrlich zum Segen vieler, dass die Klargewordenen erscheinen – für die Frauen und Männer, die ihrer Anleitung folgen.

Es war wahrlich zu ihrem Segen, dass der Abgeklärte das Erwachen erreichte – für die Mönche und Nonnen, die sehen, dass sie Gewissheit erlangt haben.

Der Klaräugige, der Buddha, der mit der Sonne verwandt ist, hat die vier edlen Wahrheiten gut gelehrt aus Anteilnahme mit den Lebewesen:

das Leiden, des Leidens Entstehen, des Leidens Überwindung und den edlen achtfachen Pfad, der zum Stillen des Leidens führt.

Da diese Dinge gelehrt wurden, habe ich sie gesehen. Mein eigenes wahres Ziel habe ich erreicht und die Anleitung des Buddha erfüllt.

Es war mir so willkommen, in der Gegenwart des Buddha zu sein. Von allen gut erklärten Lehren bin ich bei der besten angekommen.

Die Vollkommenheit der unmittelbaren Einsicht habe ich verwirklicht; meine Hellhörigkeit ist geläutert; ich bin Meister des dreifachen Wissens, habe übersinnliche Kraft erlangt, kundig im Erfassen des Geistes anderer.“

„Ich frage den Lehrer, dessen Weisheit unerreicht ist, der in eben diesem Leben alle Zweifel abgeschnitten hat: Bei Āḷavīs vorderstem Heiligtum ist ein Mönch gestorben, der namhaft und berühmt war und verloschen.

Sein Name war Nigrodhakappa, der war diesem Brahmanen von dir, Gesegneter, gegeben worden. Er wanderte zu deinen Ehren und sehnte sich nach Freiheit, energisch, ein entschlossener Seher der Wahrheit.

Oh Sakyer, All-Seher, wir alle wünschen, von diesem Schüler zu erfahren. Unsere Ohren sind begierig, zu hören, denn du bist der unübertroffene Lehrer.

Schneide den Zweifel ab, verkünde es uns; deine Weisheit ist ausgedehnt, berichte uns von seinem Verlöschen! All-Seher, sprich in unserer Mitte wie der tausendäugige Sakka inmitten der Götter!

Ganz gleich, welche Knoten, welche Pfade zur Täuschung oder Dinge auf der Seite des Nichtwissens, Dinge, auf die sich Zweifel gründen kann – sie alle verschwinden, wenn man einen Klargewordenen erreicht, denn sein Auge ist das beste unter allen Menschen.

Wenn niemand je die Verunreinigungen auflösen würde so wie der Wind die Wolken, würde Dunkelheit die ganze Welt einhüllen; nicht einmal glänzende Menschen würden leuchten.

Die Bedächtigen sind die Lichtbringer; mein Held, das ist es, was ich von dir denke. Wegen deiner Klarsicht und deines Verstehens sind wir gekommen: Enthülle uns Kappāyana hier in dieser Versammlung.

Rasch sende deine süße, süße Stimme aus wie eine Gans ihren Hals reckt, mit sanftem Schrei, klar fließend, mit klangvollem Ton: Wir alle hören dir aufmerksam zu.

Geburt und Tod hast du vollständig aufgegeben; gezügelt und rein bitte ich dich eindringlich, den Dhamma vorzutragen! Denn gewöhnliche Menschen haben keinen Wunscherfüller, doch Klargewordene haben die Gabe, die Dinge verständlich zu machen.

Deine Antwort ist verbindlich und wir werden sie annehmen, denn du besitzt vollkommene Weisheit. Wir erheben ein letztes Mal unsere zusammengelegten Hände, du unerreicht Weiser, verwirre uns nicht absichtlich.

Du kennst die edle Lehre von oben bis unten, du unerreicht Energischer, verwirre uns nicht absichtlich. Wie es einen Mann, der in der Sommerhitze brütet, nach Wasser verlangt, so verlangt es mich nach deiner Stimme – lass also den Ton herabregnen.

Sicher hat Kappāyana das geistliche Leben nicht vergeblich geführt? Hat er das Erlöschen erlangt oder hatte er noch einen Rest? Lass uns hören, welche Art von Freiheit er hatte!“

„Das Verlangen nach Namen und Form hat er gleich hier abgeschnitten“, sagte der Buddha, „den Fluss der Dunkelheit, der lange in ihm verborgen lag. Geburt und Tod hat er vollständig überquert.“ Das erklärte der Buddha, der Anführer der Fünf.

„Jetzt, da ich deine Worte gehört, du siebter der Seher, bin ich zuversichtlich. Meine Frage, so scheint es, war nicht vergebens, der Brahmane hat mich nicht getäuscht.

Wie er sprach, so handelte er – er war ein Schüler des Buddha. Das ausgedehnte, feste Netz des trügerischen Todes durchtrennte er.

Gesegneter, Kappāyana sah den Ausgangspunkt des Ergreifens. Über den Machtbereich des Todes, dem so schwer zu entkommen ist, ist er wahrhaftig weit hinausgegangen.

Gott der Götter, bester der Menschen, ich verbeuge mich vor dir und vor deinem Sohn, dem großen Helden, der deinem Beispiel folgte: ein Riese, echter Sohn eines Riesen.“

So wurden diese Strophen vom Ehrwürdigen Vaṅgīsa, dem altehrwürdigen Mönch, aufgesagt.

Das große Buch ist zu Ende.

Die Strophen der altehrwürdigen Mönche sind zu Ende.

Übersetzung: Deutsch (sabbamitta), English (sujato). Quelle: SuttaCentral / Bilara (gemeinfrei, CC0).