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THIG14.1

Das Dreißigerbuch

Tiṁsanipāta

Subhā von Jīvakas Mangowäldchen

Auf dem Weg zu Jīvakas entzückendem Mangowäldchen wurde die Nonne Subhā von einem Schurken aufgehalten. Subhā sagte zu ihm:

„Was habe ich dir getan, dass du dich mir in den Weg stellst? Geehrter, es ist nicht recht, dass ein Mann eine Frau, die fortgezogen ist, anfasst.

Es ist eine ernste Sache in der Anleitung meines Lehrers; diese Schulung wurde vom Heiligen gelehrt. Ich bin rein und ohne Makel, warum stellst du dich mir also in den Weg?

Einer, dessen Geist beschmutzt ist, gegen eine Unbeschmutzte, ein Wollüstiger gegen eine, die von Wollust frei ist; mein Geist ist makellos, in jeder Hinsicht befreit, warum stellst du dich mir also in den Weg?“

„Du bist jung und makellos – was soll dir das Fortziehen? Wirf die ockerfarbene Robe weg, komm und spiel im blühenden Wäldchen.

Überall weht süß der Duft des Blütenstaubs aus den blühenden Wäldern heraus. Frühlingsanfang ist eine glückliche Zeit – komm und spiel im blühenden Wäldchen.

Und Bäume, von Blüten gekrönt, rufen gleichsam im Sturmwind. Doch welchen Spaß hast du schon, wenn du ganz allein in den Wald eintauchst?

Wo Raubtierrudel verkehren und Elefantenkühe, von brünstigen Bullen erregt, da willst du ohne einen Freund hingehen, in den verlassenen, furchterregenden Wald.

Wie ein Püppchen aus glitzerndem Gold, wie eine Nymphe, die durch einen Park voll farbiger Ranken wandert, so wird deine unvergleichliche Schönheit in zierlichen Kleidern aus zartem Musselin schimmern.

Ich werde in deinem Bann sein, wenn wir uns im Wald aufhalten. Kein Geschöpf liebe ich mehr als dich, du Elfe mit den betörenden Augen.

‚Komm, sei glücklich und lebe im Haus!‘ – solltest du diese meine Einladung annehmen, würdest du in einem Langhaus leben, windgeschützt; die Frauen würden für alles sorgen, was du brauchst.

In zartes Musselin wärst du gekleidet, würdest deine Kränze und Schönheitsmittel tragen. Ich werde für dich Schmuck aller Art aus schimmerndem Gold, Edelsteinen und Perlen machen.

Steige auf ein prunkvolles Bett, dessen Decke so rein und hübsch ist, mit einer neuen wollenen Matratze, so duftend, mit Sandelholz besprengt.

Wie eine blaue Lilie, die aus dem Wasser hervorwächst, von Menschen nicht berührt wird, ebenso werden deine Glieder, du keusche und heilige Dame, alt werden, ohne Gesellschaft zu finden.“

„Dieser Kadaver ist voller Fäulnis, er füllt das Leichenfeld auf, denn Zerfall ist seine Natur. Was findest du daran so wesentlich, dass du mich so verrückt anstarrst?“

„Deine Augen sind wie die eines Rehs oder wie die einer Elfe in den Bergen; wenn ich sie sehe, schwillt die erotische Wonne in mir umso mehr an.

Deine Augen sind wie blaue Lilienknospen in deinem unbefleckten Antlitz wie von funkelndem Gold. Wenn ich sie sehe, schwillt die sinnliche Erregung in mir umso mehr an.

Auch wenn du weit fortgehst, werde ich doch an dich denken, du mit den langen Wimpern und den hellen Augen. Keine Augen liebe ich mehr als deine, du Elfe mit so scheuen Augen.“

„Du begibst dich auf den falschen Weg! Du versuchst den Mond als Spielzeug zu gewinnen! Über den Berg Meru willst du springen! Du, der du ein Kind des Buddha jagst!

Denn in dieser Welt mit all ihren Göttern wird es nirgends in mir noch Wollust geben. Ich weiß nicht einmal, welcher Art sie sein könnte, vom Pfad wurde sie zerschlagen mit Stumpf und Stiel.

Ausgestoßen wie Funken von glühenden Kohlen – sie ist nicht mehr wert als ein Becher mit Gift. Ich sehe nicht einmal, welcher Art sie sein könnte, vom Pfad wurde sie zerschlagen mit Stumpf und Stiel.

Du kannst gerne versuchen, eine Dame von der Art zu verführen, die nicht über diese Dinge nachgedacht oder nie dem Lehrer aufgewartet hat: Doch diese ist eine Dame, die weiß – jetzt bist du in Schwierigkeiten!

Ob ich geschmäht oder gepriesen werde, ob ich Glück oder Schmerz empfinde: Ich bleibe achtsam. Ich weiß, dass Bedingungen abstoßend sind, und mein Geist hängt an nichts.

Ich bin eine Schülerin des Heiligen und fahre in der Kutsche des achtfachen Pfades. Der Pfeil ist herausgezogen, frei von Befleckungen bin ich glücklich zu einem leeren Ort gekommen.

Ich habe bunt bemalte Puppen und hölzerne Marionetten gesehen, an Stöcke und Fäden gebunden, die man auf viele Arten tanzen ließ.

Doch wenn man die Stöcke und Fäden wegnimmt, wenn man sie löst, zerlegt, auseinandernimmt, nicht mehr wiederherzustellen, in Teile zerlegt – woran könnte man den Geist festmachen?

So ist mein Körper tatsächlich, ohne diese Dinge kann er nicht fortbestehen. Da dies so ist: Woran könnte man den Geist festmachen?

Als hättest du ein Bild gesehen, mit Gelb auf eine Wand gemalt, und deine Sicht wäre davon getäuscht – die Wahrnehmung ‚Mensch‘ wäre sinnlos.

Wie eine Illusion, vor dich hingeworfen, oder einen goldenen Baum aus einem Traum, so jagst du, was hohl ist, blinder Mann, wie eine bemalte Puppe unter den Menschen.

Wie eine Kugel in einer Höhle, eine Pupille in der Mitte und Tränen, und auch Schleim kommt daraus hervor: so sind verschiedene Augenteile zusammengeklebt.“

Die schönäugige Dame riss es aus ohne Bestürzung, ungebunden im Geist. „Jetzt komm, nimm dieses Auge“, sagte sie und gab es dem Mann eben da.

Und eben da verlor er seine Wollust und bat sie um Vergebung: „Dass es dir gut gehe, du keusche und heilige Dame; so etwas wird nicht wieder geschehen.

Einen solchen Menschen anzugreifen ist, wie wenn man ein loderndes Feuer gepackt hält oder nach einer tödlichen Giftschlange greift! Dass es dir gut gehe, bitte vergib mir.“

Als diese Nonne freigegeben war, ging sie zu dem vortrefflichen Buddha hin. Als sie ihn sah, mit den vortrefflichen Kennzeichen von Verdienst, wurde ihr Auge geradeso wie es vorher war.

Übersetzung: Deutsch (sabbamitta), English (sujato). Quelle: SuttaCentral / Bilara (gemeinfrei, CC0).