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9. Das Kapitel mit Altehrwürdigen

9. Theravagga

Mit Yamaka

Einmal hielt sich der Ehrwürdige Sāriputta bei Sāvatthī in Jetas Wäldchen auf, dem Kloster des Anāthapiṇḍika.

Zu dieser Zeit hatte ein Mönch namens Yamaka den folgenden schädlichen Irrglauben: „Wie ich die Lehre des Buddha verstehe, wird ein Mönch, der die Befleckungen aufgelöst hat, vernichtet und zerstört, wenn sein Körper auseinanderbricht, und besteht nach dem Tod nicht fort.“

Mehrere Mönche und Nonnen hörten davon. Sie gingen zu Yamaka und tauschten Willkommensgrüße mit ihm aus.

Nach der Begrüßung und dem Austausch von Höflichkeiten setzten sie sich zur Seite hin und sagten zu ihm: „Ist es wirklich wahr, geehrter Yamaka, dass du solch einen schädlichen Irrglauben hast: ‚Wie ich die Lehre des Buddha verstehe, wird ein Mönch, der die Befleckungen aufgelöst hat, vernichtet und zerstört, wenn sein Körper auseinanderbricht, und besteht nach dem Tod nicht fort‘?“

„Ja, Geehrte, so verstehe ich die Lehre des Buddha.“

„Sag das nicht, Yamaka! Stell den Buddha nicht falsch dar, denn es ist nicht gut, den Buddha falsch darzustellen. Und der Buddha würde das nicht sagen.“ Doch obwohl er von den Mönchen und Nonnen so ermahnt wurde, hielt Yamaka eigensinnig an seinem schädlichen Irrglauben fest und bestand darauf.

Als diese Mönche und Nonnen nicht in der Lage waren, Yamaka von diesem schädlichen Irrglauben abzubringen, erhoben sie sich von ihren Sitzen und gingen zum Ehrwürdigen Sāriputta. Sie berichteten ihm die Begebenheit und sagten: „Dass doch der Ehrwürdige Sāriputta aus Anteilnahme zu dem Mönch Yamaka gehe.“ Sāriputta schwieg zum Zeichen der Zustimmung.

Da kam der Ehrwürdige Sāriputta am späten Nachmittag aus seiner Klausur, ging zum Ehrwürdigen Yamaka und tauschte Willkommensgrüße mit ihm aus. Als er sich zur Seite hingesetzt hatte, sagte er zu Yamaka:

„Ist es wirklich wahr, geehrter Yamaka, dass du solch einen schädlichen Irrglauben hast: ‚Wie ich die Lehre des Buddha verstehe, wird ein Mönch, der die Befleckungen aufgelöst hat, vernichtet und zerstört, wenn sein Körper auseinanderbricht, und besteht nach dem Tod nicht fort‘?“

„Ja, Geehrter, so verstehe ich die Lehre des Buddha.“

„Was denkst du, geehrter Yamaka? Ist Form beständig oder unbeständig?“

„Unbeständig, Geehrter.“

„Ist Gefühl … Ist Wahrnehmung … Sind Willensbildungsprozesse … Ist Bewusstsein beständig oder unbeständig?“

„Unbeständig, Geehrter.“

„Daher solltest du jegliche Art … sehen … Wenn er das sieht … Er versteht: ‚… es gibt nichts weiter für diesen Ort.‘

Was denkst du, geehrter Yamaka? Siehst du den Klargewordenen als Form an?“

„Nein, Geehrter.“

„Siehst du den Klargewordenen als Gefühl … als Wahrnehmung … als Willensbildungsprozesse … als Bewusstsein an?“

„Nein, Geehrter.“

„Was denkst du, geehrter Yamaka? Siehst du den Klargewordenen als in der Form an?“

„Nein, Geehrter.“

„Oder siehst du den Klargewordenen als von Form getrennt an?“

„Nein, Geehrter.“

„Siehst du den Klargewordenen als im Gefühl an … oder als vom Gefühl getrennt … als in der Wahrnehmung … oder als von der Wahrnehmung getrennt … als in Willensbildungsprozessen … oder als von Willensbildungsprozessen getrennt … Siehst du den Klargewordenen als im Bewusstsein an?“

„Nein, Geehrter.“

„Oder siehst du den Klargewordenen als vom Bewusstsein getrennt an?“

„Nein, Geehrter.“

„Was denkst du, geehrter Yamaka? Siehst du den Klargewordenen als jemanden an, der Form, Gefühl, Wahrnehmung, Willensbildungsprozesse und Bewusstsein besitzt?“

„Nein, Geehrter.“

„Was denkst du, geehrter Yamaka? Siehst du den Klargewordenen als jemanden an, der ohne Form, Gefühl, Wahrnehmung, Willensbildungsprozesse und Bewusstsein ist?“

„Nein, Geehrter.“

„In diesem Fall, geehrter Yamaka, da du den Klargewordenen nicht einmal in eben diesem Leben finden kannst, ist es da angemessen, zu erklären: ‚Wie ich die Lehre des Buddha verstehe, wird ein Mönch, der die Befleckungen aufgelöst hat, vernichtet und zerstört, wenn sein Körper auseinanderbricht, und besteht nach dem Tod nicht fort‘?“

„Geehrter Sāriputta, in meiner Unwissenheit hatte ich früher diesen Irrglauben. Aber jetzt, da ich diese Unterweisung vom Ehrwürdigen Sāriputta gehört habe, habe ich die Lehre erfasst.“

„Geehrter Yamaka, angenommen, du würdest gefragt: ‚Was geschieht mit einem Mönch, der die Befleckungen aufgelöst hat, wenn sein Körper auseinanderbricht, nach dem Tod?‘ Wie würdest du antworten?“

„Geehrter, wenn ich so gefragt würde, würde ich antworten: ‚Geehrter, Form ist unbeständig. Was unbeständig ist, ist Leiden. Was Leiden ist, hat aufgehört und ist vergangen.

Gefühl … Wahrnehmung … Willensbildungsprozesse … Bewusstsein ist unbeständig. Was unbeständig ist, ist Leiden. Was Leiden ist, hat aufgehört und ist vergangen.‘ So würde ich eine solche Frage beantworten.“

„Gut, gut, geehrter Yamaka! Nun, ich will dir ein Gleichnis geben, um die Bedeutung noch klarer zu machen. Angenommen, da wäre ein Hausbesitzer oder der Sohn eines Hausbesitzers. Er wäre reich, hätte viel Besitz und Vermögen und eine Leibwache zu seinem Schutz. Und es käme ein Mensch daher, der ihm schaden, ihn verletzen, ihn in Gefahr bringen und ihm das Leben nehmen wollte. Der dächte: ‚Dieser Hausbesitzer oder Sohn eines Hausbesitzers ist reich, hat viel Besitz und Vermögen und eine Leibwache zu seinem Schutz. Es wird nicht leicht sein, ihm mit Gewalt das Leben zu nehmen. Warum werde ich nicht vertraut mit ihm und nehme ihm dann das Leben?‘ Und er ginge zu diesem Hausbesitzer oder Sohn eines Hausbesitzers und sagte: ‚Herr, ich möchte dir dienen.‘ Er diente diesem Hausbesitzer oder Sohn eines Hausbesitzers. Er würde vor ihm aufstehen und nach ihm zu Bett gehen. Er wäre zuvorkommend, zeigte sich liebenswert und redete höflich. Der Hausbesitzer oder Sohn eines Hausbesitzers würde ihn als Freund und Gefährten betrachten und würde ihm allmählich vertrauen. Aber wenn dieser Mensch merkte, dass er das Vertrauen des Hausbesitzers oder des Sohnes eines Hausbesitzers erlangt hätte, und er wüsste, dass dieser allein ist, würde er ihm mit einem scharfen Messer das Leben nehmen.

Was denkst du, geehrter Yamaka? Als dieser Mensch zu dem Hausbesitzer oder Sohn eines Hausbesitzers ging und ihm seine Dienste anbot, war er da nicht ein Mörder, auch wenn dieser nicht wusste, dass er sein Mörder war? Und als er vor ihm aufstand und nach ihm zu Bett ging, als er zuvorkommend war und sich liebenswert zeigte und höflich redete, war er da nicht ein Mörder, auch wenn dieser nicht wusste, dass er sein Mörder war? Und als er wusste, dass dieser allein war, und er ihm mit einem scharfen Messer das Leben nahm, war er da nicht ein Mörder, auch wenn dieser nicht wusste, dass er sein Mörder war?“

„Ja, Geehrter.“

„Ebenso hat da ein ungebildeter gewöhnlicher Mensch die Edlen nicht gesehen und ist in der Lehre der Edlen nicht bewandert und geschult. Er hat keine wahren Menschen gesehen und ist in der Lehre der wahren Menschen nicht bewandert und geschult. Er betrachtet Form als das Selbst, das Selbst als etwas, das Form hat, Form als im Selbst oder das Selbst als in der Form. Er betrachtet Gefühl als das Selbst … Er betrachtet Wahrnehmung als das Selbst … Er betrachtet Willensbildungsprozesse als das Selbst … Er betrachtet Bewusstsein als das Selbst, das Selbst als etwas, das Bewusstsein hat, Bewusstsein als im Selbst oder das Selbst als im Bewusstsein.

Er versteht Form, die unbeständig ist, nicht wahrhaftig als unbeständig. Er versteht Gefühl, das unbeständig ist … Wahrnehmung, die unbeständig ist … Willensbildungsprozesse, die unbeständig sind … Bewusstsein, das unbeständig ist, nicht wahrhaftig als unbeständig.

Er versteht Form, die Leiden ist, nicht wahrhaftig als Leiden. Er versteht Gefühl, das Leiden ist … Wahrnehmung, die Leiden ist … Willensbildungsprozesse, die Leiden sind … Bewusstsein, das Leiden ist, nicht wahrhaftig als Leiden.

Er versteht Form, die ohne Selbst ist, nicht wahrhaftig als ohne Selbst. Er versteht Gefühl, das ohne Selbst ist … Wahrnehmung, die ohne Selbst ist … Willensbildungsprozesse, die ohne Selbst sind … Bewusstsein, das ohne Selbst ist, nicht wahrhaftig als ohne Selbst.

Er versteht Form, die bedingt ist, nicht wahrhaftig als bedingt. Er versteht Gefühl, das bedingt ist … Wahrnehmung, die bedingt ist … Willensbildungsprozesse, die bedingt sind … Bewusstsein, das bedingt ist, nicht wahrhaftig als bedingt.

Er versteht Form, die ein Mörder ist, nicht wahrhaftig als Mörder. Er versteht Gefühl, das ein Mörder ist … Wahrnehmung, die ein Mörder ist … Willensbildungsprozesse, die ein Mörder sind … Bewusstsein, das ein Mörder ist, nicht wahrhaftig als Mörder.

Er lässt sich in Form verwickeln, ergreift sie und fixiert sich auf den Gedanken ‚mein Selbst‘. Er lässt sich in Gefühl verwickeln … Er lässt sich in Wahrnehmung verwickeln … Er lässt sich in Willensbildungsprozesse verwickeln … Er lässt sich in Bewusstsein verwickeln, ergreift es und fixiert sich auf den Gedanken ‚mein Selbst‘. Und wenn du dich in diese fünf mit Ergreifen verbundenen Aggregate verwickeln lässt und sie ergreifst, führt das zu deinem langanhaltenden Schaden und Leiden.

Aber ein gebildeter edler Schüler hat die Edlen gesehen und ist in der Lehre der Edlen bewandert und geschult. Er hat wahre Menschen gesehen und ist in der Lehre der wahren Menschen bewandert und geschult. Er betrachtet nicht Form als das Selbst, das Selbst als etwas, das Form hat, Form als im Selbst oder das Selbst als in der Form. Er betrachtet nicht Gefühl als das Selbst … Er betrachtet nicht Wahrnehmung als das Selbst … Er betrachtet nicht Willensbildungsprozesse als das Selbst … Er betrachtet nicht Bewusstsein als das Selbst, das Selbst als etwas, das Bewusstsein hat, Bewusstsein als im Selbst oder das Selbst als im Bewusstsein.

Er versteht Form, die unbeständig ist, wahrhaftig als unbeständig. Er versteht Gefühl, das unbeständig ist … Wahrnehmung, die unbeständig ist … Willensbildungsprozesse, die unbeständig sind … Bewusstsein, das unbeständig ist, wahrhaftig als unbeständig.

Er versteht Form, die Leiden ist, wahrhaftig als Leiden. Er versteht Gefühl, das Leiden ist … Wahrnehmung, die Leiden ist … Willensbildungsprozesse, die Leiden sind … Bewusstsein, das Leiden ist, wahrhaftig als Leiden.

Er versteht Form, die ohne Selbst ist, wahrhaftig als ohne Selbst. Er versteht Gefühl, das ohne Selbst ist … Wahrnehmung, die ohne Selbst ist … Willensbildungsprozesse, die ohne Selbst sind … Bewusstsein, das ohne Selbst ist, wahrhaftig als ohne Selbst.

Er versteht Form, die bedingt ist, wahrhaftig als bedingt. Er versteht Gefühl, das bedingt ist … Wahrnehmung, die bedingt ist … Willensbildungsprozesse, die bedingt sind … Bewusstsein, das bedingt ist, wahrhaftig als bedingt.

Er versteht Form, die ein Mörder ist, wahrhaftig als Mörder. Er versteht Gefühl, das ein Mörder ist … Wahrnehmung, die ein Mörder ist … Willensbildungsprozesse, die ein Mörder sind … Bewusstsein, das ein Mörder ist, wahrhaftig als Mörder.

Er lässt sich nicht in Form verwickeln, ergreift sie nicht und fixiert sich nicht auf den Gedanken ‚mein Selbst‘. Er lässt sich nicht in Gefühl verwickeln … Er lässt sich nicht in Wahrnehmung verwickeln … Er lässt sich nicht in Willensbildungsprozessen verwickeln … Er lässt sich nicht in Bewusstsein verwickeln, ergreift es nicht und fixiert sich nicht auf den Gedanken ‚mein Selbst‘. Und wenn du dich nicht in diese fünf mit Ergreifen verbundenen Aggregaten verwickeln lässt und sie nicht ergreifst, führt das zu deinem langanhaltenden Nutzen und Glück.“

„Geehrter Sāriputta, so ist es, wenn man solche Ehrwürdigen zu geistlichen Gefährten hat, die einen aus Anteilnahme und Hilfsbereitschaft unterweisen und anleiten. Und jetzt, da ich diese Unterweisung vom Ehrwürdigen Sāriputta gehört habe, ist mein Geist durch Nicht-Ergreifen von den Befleckungen befreit.“

Übersetzung: Deutsch (sabbamitta), English (sujato). Quelle: SuttaCentral / Bilara (gemeinfrei, CC0).