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SN46.54

6. Das Kapitel über Diskutieren

6. Sākacchavagga

Voller Liebe

Einmal hielt sich der Buddha im Land der Koliyer auf, bei einem Marktflecken mit Namen Haliddavasana. Da kleideten sich mehrere Mönche und Nonnen am Morgen an, nahmen Schale und Robe und betraten Haliddavasana zum Almosengang. Da kam ihnen in den Sinn: „Es ist zu früh für den Almosengang in Haliddavasana. Warum besuchen wir nicht das Kloster der Wanderer anderer Konfessionen?“

Und sie gingen zu dem Kloster der Wanderer anderer Konfessionen und tauschten dort mit den Wanderern Willkommensgrüße aus. Nach der Begrüßung und dem Austausch von Höflichkeiten setzten sie sich zur Seite hin. Die Wanderer sagten zu ihnen:

„Geehrte, der Asket Gotama lehrt seine Schüler so: ‚Kommt, Mönche und Nonnen, gebt diese fünf Hindernisse auf, die Verunreinigungen des Herzens, die die Weisheit schwächen, und meditiert, indem ihr eine Himmelsrichtung mit einem Herzen voller Liebe durchdringt, und die zweite und die dritte und die vierte. Ebenso nach oben, nach unten, dazwischen, überall und ringsumher; die ganze Welt durchdringt mit einem Herzen voller Liebe – weit, ausgedehnt, grenzenlos, frei von Feindschaft und bösem Willen. Meditiert, indem ihr eine Himmelsrichtung mit einem Herzen voller Mitgefühl durchdringt, und die zweite und die dritte und die vierte. Ebenso nach oben, nach unten, dazwischen, überall und ringsumher; die ganze Welt durchdringt mit einem Herzen voller Mitgefühl – weit, ausgedehnt, grenzenlos, frei von Feindschaft und bösem Willen. Meditiert, indem ihr eine Himmelsrichtung mit einem Herzen voller freudiger Anteilnahme durchdringt, und die zweite und die dritte und die vierte. Ebenso nach oben, nach unten, dazwischen, überall und ringsumher; die ganze Welt durchdringt mit einem Herzen voller freudiger Anteilnahme – weit, ausgedehnt, grenzenlos, frei von Feindschaft und bösem Willen. Meditiert, indem ihr eine Himmelsrichtung mit einem Herzen voller Gleichmut durchdringt, und die zweite und die dritte und die vierte. Ebenso nach oben, nach unten, dazwischen, überall und ringsumher; die ganze Welt durchdringt mit einem Herzen voller Gleichmut – weit, ausgedehnt, grenzenlos, frei von Feindschaft und bösem Willen.‘

Auch wir lehren unsere Schüler ebenso. Was ist nun der Unterschied zwischen der Lehre und Anleitung des Asketen Gotama und unserer?“

Weder begrüßten diese Mönche und Nonnen diese Aussage der Wanderer anderer Konfessionen, noch lehnten sie sie ab. Sie erhoben sich von ihren Sitzen und dachten:

„Wir wollen die Bedeutung dieser Aussage in Gegenwart des Buddha selbst erfahren.“ Nach dem Essen, als sie vom Almosengang zurückkamen, gingen sie zum Buddha, verbeugten sich, setzten sich zur Seite hin und berichteten ihm das Gespräch.

„Mönche und Nonnen, wenn Wanderer anderer Konfessionen so sprechen, sollt ihr zu ihnen sagen: ‚Aber Geehrte, wie entwickelt man die Erlösung des Herzens durch Liebe? Was ist ihre Bestimmung, ihre Spitze, ihre Frucht und ihr Höhepunkt? Wie entwickelt man die Erlösung des Herzens durch Mitgefühl? Was ist ihre Bestimmung, ihre Spitze, ihre Frucht und ihr Höhepunkt? Wie entwickelt man die Erlösung des Herzens durch freudige Anteilnahme? Was ist ihre Bestimmung, ihre Spitze, ihre Frucht und ihr Höhepunkt? Wie entwickelt man die Erlösung des Herzens durch Gleichmut? Was ist ihre Bestimmung, ihre Spitze, ihre Frucht und ihr Höhepunkt?‘ Wenn sie so gefragt werden, sind die Wanderer anderer Konfessionen überfragt und sind dazu verdrossen. Warum ist das so? Weil sie nicht in ihrem Element sind. Ich sehe niemanden in dieser Welt mit ihren Göttern, Māras und Brahmās, unter dieser Bevölkerung mit ihren Asketen und Brahmanen, Göttern und Menschen – ich sehe niemanden, der eine zufriedenstellende Antwort auf diese Fragen geben könnte, außer dem Klargewordenen oder einem seiner Schüler oder jemandem, der es von diesen gehört hat.

Und wie entwickelt man die Erlösung des Herzens durch Liebe? Was ist ihre Bestimmung, ihre Spitze, ihre Frucht und ihr Höhepunkt? Da entwickelt ein Mönch die Erlösung des Herzens durch Liebe zusammen mit den Faktoren des Erwachens Achtsamkeit, Erforschung der Gesetzmäßigkeiten, Energie, Ekstase, Stille, Versenkung und Gleichmut, die sich auf Abgeschiedenheit, Schwinden und Aufhören stützen und zum Loslassen heranreifen. Wenn er wünscht: ‚Dass ich doch meditieren könnte, indem ich das Widerwärtige in dem wahrnehme, was nicht widerwärtig ist‘, dann tut er es. Wenn er wünscht: ‚Dass ich doch meditieren könnte, indem ich das, was nicht widerwärtig ist, im Widerwärtigen wahrnehme‘, dann tut er es. Wenn er wünscht: ‚Dass ich doch meditieren könnte, indem ich das Widerwärtige sowohl in dem wahrnehme, was nicht widerwärtig ist, als auch im Widerwärtigen‘, dann tut er es. Wenn er wünscht: ‚Dass ich doch meditieren könnte, indem ich das, was nicht widerwärtig ist, sowohl im Widerwärtigen wahrnehme als auch in dem, was nicht widerwärtig ist‘, dann tut er es. Wenn er wünscht: ‚Dass ich doch meditieren könnte, indem ich gleichmütig bleibe, achtsam und bewusst, und sowohl das Widerwärtige zurückweise als auch das, was nicht widerwärtig ist‘, dann tut er es. Die Spitze der Erlösung des Herzens durch Liebe ist das Schöne, sage ich, für einen Mönch, der nicht zu einer höheren Freiheit durchgedrungen ist.

Und wie entwickelt man die Erlösung des Herzens durch Mitgefühl? Was ist ihre Bestimmung, ihre Spitze, ihre Frucht und ihr Höhepunkt? Da entwickelt ein Mönch die Erlösung des Herzens durch Mitgefühl zusammen mit den Faktoren des Erwachens Achtsamkeit, Erforschung der Gesetzmäßigkeiten, Energie, Ekstase, Stille, Versenkung und Gleichmut, die sich auf Abgeschiedenheit, Schwinden und Aufhören stützen und zum Loslassen heranreifen. Wenn er wünscht: ‚Dass ich doch meditieren könnte, indem ich das Widerwärtige in dem wahrnehme, was nicht widerwärtig ist‘, dann tut er es. … Wenn er wünscht: ‚Dass ich doch meditieren könnte, indem ich gleichmütig bleibe, achtsam und bewusst, und sowohl das Widerwärtige zurückweise als auch das, was nicht widerwärtig ist‘, dann tut er es. Oder er übersteigt jegliche Formwahrnehmung, und mit dem Vergehen der Wahrnehmung von Eindrücken, und indem er den Geist nicht auf die Wahrnehmung von Vielfalt richtet, tritt er im Wissen: ‚Raum ist unendlich‘, in die Dimension des unendlichen Raumes ein und verweilt darin. Die Spitze der Erlösung des Herzens durch Mitgefühl ist die Dimension des unendlichen Raumes, sage ich, für einen Mönch, der nicht zu einer höheren Freiheit durchgedrungen ist.

Und wie entwickelt man die Erlösung des Herzens durch freudige Anteilnahme? Was ist ihre Bestimmung, ihre Spitze, ihre Frucht und ihr Höhepunkt? Da entwickelt ein Mönch die Erlösung des Herzens durch freudige Anteilnahme zusammen mit den Faktoren des Erwachens Achtsamkeit, Erforschung der Gesetzmäßigkeiten, Energie, Ekstase, Stille, Versenkung und Gleichmut, die sich auf Abgeschiedenheit, Schwinden und Aufhören stützen und zum Loslassen heranreifen. Wenn er wünscht: ‚Dass ich doch meditieren könnte, indem ich das Widerwärtige in dem wahrnehme, was nicht widerwärtig ist‘, dann tut er es. … Wenn er wünscht: ‚Dass ich doch meditieren könnte, indem ich gleichmütig bleibe, achtsam und bewusst, und sowohl das Widerwärtige zurückweise als auch das, was nicht widerwärtig ist‘, dann tut er es. Oder er übersteigt vollständig die Dimension des unendlichen Raumes, tritt im Wissen: ‚Bewusstsein ist unendlich‘, in die Dimension des unendlichen Bewusstseins ein und verweilt darin. Die Spitze der Erlösung des Herzens durch freudige Anteilnahme ist die Dimension des unendlichen Bewusstseins, sage ich, für einen Mönch, der nicht zu einer höheren Freiheit durchgedrungen ist.

Und wie entwickelt man die Erlösung des Herzens durch Gleichmut? Was ist ihre Bestimmung, ihre Spitze, ihre Frucht und ihr Höhepunkt? Da entwickelt ein Mönch die Erlösung des Herzens durch Gleichmut zusammen mit den Faktoren des Erwachens Achtsamkeit, Erforschung der Gesetzmäßigkeiten, Energie, Ekstase, Stille, Versenkung und Gleichmut, die sich auf Abgeschiedenheit, Schwinden und Aufhören stützen und zum Loslassen heranreifen. Wenn er wünscht: ‚Dass ich doch meditieren könnte, indem ich das Widerwärtige in dem wahrnehme, was nicht widerwärtig ist‘, dann tut er es. Wenn er wünscht: ‚Dass ich doch meditieren könnte, indem ich das, was nicht widerwärtig ist, im Widerwärtigen wahrnehme‘, dann tut er es. Wenn er wünscht: ‚Dass ich doch meditieren könnte, indem ich das Widerwärtige sowohl in dem wahrnehme, was nicht widerwärtig ist, als auch im Widerwärtigen‘, dann tut er es. Wenn er wünscht: ‚Dass ich doch meditieren könnte, indem ich das, was nicht widerwärtig ist, sowohl im Widerwärtigen wahrnehme als auch in dem, was nicht widerwärtig ist‘, dann tut er es. Wenn er wünscht: ‚Dass ich doch meditieren könnte, indem ich gleichmütig bleibe, achtsam und bewusst, und sowohl das Widerwärtige zurückweise als auch das, was nicht widerwärtig ist‘, dann tut er es. Oder er übersteigt vollständig die Dimension des unendlichen Bewusstseins, tritt im Wissen: ‚Da ist überhaupt nichts‘, in die Dimension des Nichts ein und verweilt darin. Die Spitze der Erlösung des Herzens durch Gleichmut ist die Dimension des Nichts, sage ich, für einen Mönch, der nicht zu einer höheren Freiheit durchgedrungen ist.“

Übersetzung: Deutsch (sabbamitta), English (sujato). Quelle: SuttaCentral / Bilara (gemeinfrei, CC0).