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DN15

Die große Lehrrede über das Kausalprinzip

Mahānidānasutta

1. Abhängiges Entstehen

So habe ich es gehört: Einmal hielt sich der Buddha im Land der Kurus auf, bei dem Marktflecken der Kurus mit Namen Kammāsadamma.

Da ging der Ehrwürdige Ānanda zum Buddha, verbeugte sich, setzte sich zur Seite hin und sagte zu ihm: „Es ist unglaublich, Herr, es ist erstaunlich, dass dieses abhängige Entstehen tiefgründig ist und auch so erscheint, und dennoch erscheint es mir so offensichtlich wie es nur sein kann.“

„Sag das nicht, Ānanda, sag das nicht! Dieses abhängige Entstehen ist tiefgründig und erscheint auch so. Weil sie diese Lehre nicht versteht und durchdringt, wurde diese Bevölkerung verwickelt wie Garn, verknotet wie ein Wollknäuel und verflochten wie Binsen und Schilf, sodass sie den verlorenen Orten nicht entkommt, den schlechten Orten, der Unterwelt, dem Umherwandern.

Wenn du gefragt wirst: ‚Gibt es eine spezifische Bedingung für Alter und Tod?‘, sollst du antworten: ‚Die gibt es‘. Wenn gesagt wird: ‚Was ist die Bedingung für Alter und Tod?‘, sollst du antworten: ‚Wiedergeburt ist die Bedingung für Alter und Tod‘.

Wenn du gefragt wirst: ‚Gibt es eine spezifische Bedingung für Wiedergeburt?‘, sollst du antworten: ‚Die gibt es‘. Wenn gesagt wird: ‚Was ist die Bedingung für Wiedergeburt?‘, sollst du antworten: ‚Fortgesetztes Dasein ist die Bedingung für Wiedergeburt‘.

Wenn du gefragt wirst: ‚Gibt es eine spezifische Bedingung für fortgesetztes Dasein?‘, sollst du antworten: ‚Die gibt es‘. Wenn gesagt wird: ‚Was ist die Bedingung für fortgesetztes Dasein?‘, sollst du antworten: ‚Ergreifen ist die Bedingung für fortgesetztes Dasein‘.

Wenn du gefragt wirst: ‚Gibt es eine spezifische Bedingung für Ergreifen?‘, sollst du antworten: ‚Die gibt es‘. Wenn gesagt wird: ‚Was ist die Bedingung für Ergreifen?‘, sollst du antworten: ‚Verlangen ist die Bedingung für Ergreifen‘.

Wenn du gefragt wirst: ‚Gibt es eine spezifische Bedingung für Verlangen?‘, sollst du antworten: ‚Die gibt es‘. Wenn gesagt wird: ‚Was ist die Bedingung für Verlangen?‘, sollst du antworten: ‚Gefühl ist die Bedingung für Verlangen‘.

Wenn du gefragt wirst: ‚Gibt es eine spezifische Bedingung für Gefühl?‘, sollst du antworten: ‚Die gibt es‘. Wenn gesagt wird: ‚Was ist die Bedingung für Gefühl?‘, sollst du antworten: ‚Kontakt ist die Bedingung für Gefühl‘.

Wenn du gefragt wirst: ‚Gibt es eine spezifische Bedingung für Kontakt?‘, sollst du antworten: ‚Die gibt es‘. Wenn gesagt wird: ‚Was ist die Bedingung für Kontakt?‘, sollst du antworten: ‚Name und Form sind die Bedingung für Kontakt‘.

Wenn du gefragt wirst: ‚Gibt es eine spezifische Bedingung für Namen und Form?‘, sollst du antworten: ‚Die gibt es‘. Wenn gesagt wird: ‚Was ist die Bedingung für Namen und Form?‘, sollst du antworten: ‚Bewusstsein ist die Bedingung für Namen und Form‘.

Wenn du gefragt wirst: ‚Gibt es eine spezifische Bedingung für Bewusstsein?‘, sollst du antworten: ‚Die gibt es‘. Wenn gesagt wird: ‚Was ist die Bedingung für Bewusstsein?‘, sollst du antworten: ‚Name und Form sind die Bedingung für Bewusstsein‘.

So sind also Name und Form die Bedingung für Bewusstsein. Bewusstsein ist die Bedingung für Namen und Form. Name und Form sind die Bedingung für Kontakt. Kontakt ist die Bedingung für Gefühl. Gefühl ist die Bedingung für Verlangen. Verlangen ist die Bedingung für Ergreifen. Ergreifen ist die Bedingung für fortgesetztes Dasein. Fortgesetztes Dasein ist die Bedingung für Wiedergeburt. Wiedergeburt ist die Bedingung für das Zustandekommen von Alter und Tod, von Kummer, Klage, Schmerz, Traurigkeit und Bedrängnis. So kommt diese ganze Masse des Leidens zustande.

‚Wiedergeburt ist die Bedingung für Alter und Tod‘ – das habe ich gesagt. Eine Art, zu verstehen, wie das gemeint ist, ist diese: Angenommen, es gäbe ganz und gar überhaupt keine Wiedergeburt, nirgends und für niemanden. Das heißt, es gäbe keine Wiedergeburt von Lebewesen in ihren verschiedenen Bereichen – keine Wiedergeburt von Göttern, Zentauren, Geistern, Geschöpfen, Menschen, Vierfüßlern, Vögeln oder Kriechtieren in ihren jeweiligen Bereichen. Wenn es überhaupt keine Wiedergeburt gäbe, mit dem Aufhören der Wiedergeburt, wären da noch Alter und Tod zu finden?“

„Nein, Herr.“

„Darum ist das der Grund, die Quelle, der Ursprung und die Ursache für Alter und Tod: nämlich Wiedergeburt.

‚Fortgesetztes Dasein ist die Bedingung für Wiedergeburt‘ – das habe ich gesagt. Eine Art, zu verstehen, wie das gemeint ist, ist diese: Angenommen, es gäbe ganz und gar überhaupt kein fortgesetztes Dasein, nirgends und für niemanden. Das heißt, es gäbe kein fortgesetztes Dasein im Bereich der Sinne, im Bereich der leuchtenden Form oder im formlosen Bereich. Wenn es überhaupt kein fortgesetztes Dasein gäbe, mit dem Aufhören des fortgesetzten Daseins, wäre da noch Wiedergeburt zu finden?“

„Nein, Herr.“

„Darum ist das der Grund, die Quelle, der Ursprung und die Ursache für Wiedergeburt: nämlich fortgesetztes Dasein.

‚Ergreifen ist die Bedingung für fortgesetztes Dasein‘ – das habe ich gesagt. Eine Art, zu verstehen, wie das gemeint ist, ist diese: Angenommen, es gäbe ganz und gar überhaupt kein Ergreifen, nirgends und für niemanden. Das heißt, es gäbe kein Ergreifen von Sinnenfreuden, von Ansichten, von Regeln und Gelübden und von Selbsttheorien. Wenn es überhaupt kein Ergreifen gäbe, mit dem Aufhören des Ergreifens, wäre da noch fortgesetztes Dasein zu finden?“

„Nein, Herr.“

„Darum ist das der Grund, die Quelle, der Ursprung und die Ursache für fortgesetztes Dasein: nämlich Ergreifen.

‚Verlangen ist die Bedingung für Ergreifen‘ – das habe ich gesagt. Eine Art, zu verstehen, wie das gemeint ist, ist diese: Angenommen, es gäbe ganz und gar überhaupt kein Verlangen, nirgends und für niemanden. Das heißt, es gäbe kein Verlangen nach Bildern, Tönen, Gerüchen, Geschmäcken, Berührungen und Vorstellungen. Wenn es überhaupt kein Verlangen gäbe, mit dem Aufhören des Verlangens, wäre da noch Ergreifen zu finden?“

„Nein, Herr.“

„Darum ist das der Grund, die Quelle, der Ursprung und die Ursache für Ergreifen: nämlich Verlangen.

‚Gefühl ist die Bedingung für Verlangen‘ – das habe ich gesagt. Eine Art, zu verstehen, wie das gemeint ist, ist diese: Angenommen, es gäbe ganz und gar überhaupt kein Gefühl, nirgends und für niemanden. Das heißt, es gäbe kein Gefühl entsprungen aus Kontakt mit dem Auge, dem Ohr, der Nase, der Zunge, dem Körper oder dem Geist. Wenn es überhaupt kein Gefühl gäbe, mit dem Aufhören des Gefühls, wäre da noch Verlangen zu finden?“

„Nein, Herr.“

„Darum ist das der Grund, die Quelle, der Ursprung und die Ursache für Verlangen: nämlich Gefühl.

So kommt es also, Ānanda, dass Gefühl zu Verlangen führt. Verlangen führt zu Trachten. Trachten führt zum Gewinnen von materiellem Besitz. Das Gewinnen von materiellem Besitz führt zu Bewerten. Bewerten führt zu Sehnen und Begehren. Sehnen und Begehren führen zu Anhänglichkeit. Anhänglichkeit führt zu Eigentümerschaft. Eigentümerschaft führt zu Geiz. Geiz führt zu Schutzmaßnahmen. Aufgrund von Schutzmaßnahmen kommen zahlreiche schlechte, untaugliche Dinge zustande: das Greifen zu Stock und Schwert, Zank, Zwist, Streit, Anschuldigungen, entzweiende Rede und Lügen.

‚Aufgrund von Schutzmaßnahmen kommen zahlreiche schlechte, untaugliche Dinge zustande: das Greifen zu Stock und Schwert, Zank, Zwist, Streit, Anschuldigungen, entzweiende Rede und Lügen‘ – das habe ich gesagt. Eine Art, zu verstehen, wie das gemeint ist, ist diese: Angenommen, es gäbe ganz und gar überhaupt keine Schutzmaßnahmen, nirgends und für niemanden. Wenn es überhaupt keine Schutzmaßnahmen gäbe, mit dem Aufhören von Schutzmaßnahmen, würden da diese schlechten, untauglichen Dinge noch zustande kommen?“

„Nein, Herr.“

„Darum ist das der Grund, die Quelle, der Ursprung und die Ursache für das Zustandekommen dieser schlechten, untauglichen Dinge: nämlich Schutzmaßnahmen.

‚Geiz führt zu Schutzmaßnahmen‘ – das habe ich gesagt. Eine Art, zu verstehen, wie das gemeint ist, ist diese: Angenommen, es gäbe ganz und gar überhaupt keinen Geiz, nirgends und für niemanden. Wenn es überhaupt keinen Geiz gäbe, mit dem Aufhören des Geizes, wären da noch Schutzmaßnahmen zu finden?“

„Nein, Herr.“

„Darum ist das der Grund, die Quelle, der Ursprung und die Ursache für Schutzmaßnahmen: nämlich Geiz.

‚Eigentümerschaft führt zu Geiz‘ – das habe ich gesagt. Eine Art, zu verstehen, wie das gemeint ist, ist diese: Angenommen, es gäbe ganz und gar überhaupt keine Eigentümerschaft, nirgends und für niemanden. Wenn es überhaupt keine Eigentümerschaft gäbe, mit dem Aufhören der Eigentümerschaft, wäre da noch Geiz zu finden?“

„Nein, Herr.“

„Darum ist das der Grund, die Quelle, der Ursprung und die Ursache für Geiz: nämlich Eigentümerschaft.

‚Anhänglichkeit führt zu Eigentümerschaft‘ – das habe ich gesagt. Eine Art, zu verstehen, wie das gemeint ist, ist diese: Angenommen, es gäbe ganz und gar überhaupt keine Anhänglichkeit, nirgends und für niemanden. Wenn es überhaupt keine Anhänglichkeit gäbe, mit dem Aufhören der Anhänglichkeit, wäre da noch Eigentümerschaft zu finden?“

„Nein, Herr.“

„Darum ist das der Grund, die Quelle, der Ursprung und die Ursache für Eigentümerschaft: nämlich Anhänglichkeit.

‚Sehnen und Begehren führen zu Anhänglichkeit‘ – das habe ich gesagt. Eine Art, zu verstehen, wie das gemeint ist, ist diese: Angenommen, es gäbe ganz und gar überhaupt kein Sehnen und Begehren, nirgends und für niemanden. Wenn es überhaupt kein Sehnen und Begehren gäbe, mit dem Aufhören von Sehnen und Begehren, wäre da noch Anhänglichkeit zu finden?“

„Nein, Herr.“

„Darum ist das der Grund, die Quelle, der Ursprung und die Ursache für Anhänglichkeit: nämlich Sehnen und Begehren.

‚Bewerten führt zu Sehnen und Begehren‘ – das habe ich gesagt. Eine Art, zu verstehen, wie das gemeint ist, ist diese: Angenommen, es gäbe ganz und gar überhaupt kein Bewerten, nirgends und für niemanden. Wenn es überhaupt kein Bewerten gäbe, mit dem Aufhören des Bewertens, wären da noch Sehnen und Begehren zu finden?“

„Nein, Herr.“

„Darum ist das der Grund, die Quelle, der Ursprung und die Ursache für Sehnen und Begehren: nämlich Bewerten.

‚Das Gewinnen von materiellem Besitz führt zu Bewerten‘ – das habe ich gesagt. Eine Art, zu verstehen, wie das gemeint ist, ist diese: Angenommen, es gäbe ganz und gar überhaupt kein Gewinnen von materiellem Besitz, nirgends und für niemanden. Wenn es überhaupt kein Gewinnen von materiellem Besitz gäbe, mit dem Aufhören des Gewinnens von materiellem Besitz, wäre da noch Bewerten zu finden?“

„Nein, Herr.“

„Darum ist das der Grund, die Quelle, der Ursprung und die Ursache für Bewerten: nämlich das Gewinnen von materiellem Besitz.

‚Trachten führt zum Gewinnen von materiellem Besitz‘ – das habe ich gesagt. Eine Art, zu verstehen, wie das gemeint ist, ist diese: Angenommen, es gäbe ganz und gar überhaupt kein Trachten, nirgends und für niemanden. Wenn es überhaupt kein Trachten gäbe, mit dem Aufhören des Trachtens, wäre da noch das Gewinnen von materiellem Besitz zu finden?“

„Nein, Herr.“

„Darum ist das der Grund, die Quelle, der Ursprung und die Ursache für das Gewinnen von materiellem Besitz: nämlich Trachten.

‚Verlangen führt zu Trachten‘ – das habe ich gesagt. Eine Art, zu verstehen, wie das gemeint ist, ist diese: Angenommen, es gäbe ganz und gar überhaupt kein Verlangen, nirgends und für niemanden. Das heißt, es gäbe kein Verlangen nach Sinnenfreuden, Verlangen nach Dasein oder Verlangen nach Nicht-Dasein. Wenn es überhaupt kein Verlangen gäbe, mit dem Aufhören des Verlangens, wäre da noch Trachten zu finden?“

„Nein, Herr.“

„Darum ist das der Grund, die Quelle, der Ursprung und die Ursache für Trachten: nämlich Verlangen. Und so, Ānanda, sind diese beiden Dinge durch die beiden Aspekte des Gefühls vereint.

‚Kontakt ist die Bedingung für Gefühl‘ – das habe ich gesagt. Eine Art, zu verstehen, wie das gemeint ist, ist diese: Angenommen, es gäbe ganz und gar überhaupt keinen Kontakt, nirgends und für niemanden. Das heißt, es gäbe keinen Kontakt mit dem Auge, dem Ohr, der Nase, der Zunge, dem Körper oder dem Geist. Wenn es überhaupt keinen Kontakt gäbe, mit dem Aufhören des Kontakts, wäre da noch Gefühl zu finden?“

„Nein, Herr.“

„Darum ist das der Grund, die Quelle, der Ursprung und die Ursache für Gefühl: nämlich Kontakt.

‚Name und Form sind die Bedingung für Kontakt‘ – das habe ich gesagt. Eine Art, zu verstehen, wie das gemeint ist, ist diese: Angenommen, es gäbe keine der Eigenschaften, Eigenarten, Merkmale und Einzelheiten, durch die man die Gruppe der als Name bekannten Erscheinungen bestimmen kann. Wäre dann noch ein benennender Kontakt in der Gruppe der als Form bekannten Erscheinungen zu finden?“

„Nein, Herr.“

„Angenommen, es gäbe keine der Eigenschaften, Eigenarten, Merkmale und Einzelheiten, durch die man die Gruppe der als Form bekannten Erscheinungen, bestimmen kann. Wäre dann noch ein aufprallender Kontakt in der Gruppe der als Name bekannten Erscheinungen zu finden?“

„Nein, Herr.“

„Angenommen, es gäbe keine der Eigenschaften, Eigenarten, Merkmale und Einzelheiten, durch die man die Gruppe der als Name bekannten Erscheinungen und die Gruppe der als Form bekannten Erscheinungen bestimmen kann. Wäre dann noch ein benennender Kontakt oder ein aufprallender Kontakt zu finden?“

„Nein, Herr.“

„Angenommen, es gäbe keine der Eigenschaften, Eigenarten, Merkmale und Einzelheiten, durch die man Namen und Form bestimmen kann. Wäre dann noch Kontakt zu finden?“

„Nein, Herr.“

„Darum ist das der Grund, die Quelle, der Ursprung und die Ursache für Kontakt: nämlich Name und Form.

‚Bewusstsein ist die Bedingung für Namen und Form‘ – das habe ich gesagt. Eine Art, zu verstehen, wie das gemeint ist, ist diese: Wenn kein Bewusstsein im Schoß der Mutter empfangen würde, würden dann Name und Form dort gerinnen?“

„Nein, Herr.“

„Wenn Bewusstsein im Schoß der Mutter empfangen würde und dann verloren ginge, würden dann Name und Form an diesem Ort geboren werden?“

„Nein, Herr.“

„Wenn das Bewusstsein eines kleinen Jungen oder Mädchens abgeschnitten würde, würden dann Name und Form wachsen, größer werden und zur Reife kommen?“

„Nein, Herr.“

„Darum ist das der Grund, die Quelle, der Ursprung und die Ursache für Namen und Form: nämlich Bewusstsein.

‚Name und Form sind die Bedingung für Bewusstsein‘ – das habe ich gesagt. Eine Art, zu verstehen, wie das gemeint ist, ist diese: Wenn Bewusstsein nicht in Namen und Form verankert würde, wäre dann das Zustandekommen des Ursprungs des Leidens, das Zustandekommen von Wiedergeburt, Alter und Tod, in der Zukunft zu finden?“

„Nein, Herr.“

„Darum ist das der Grund, die Quelle, der Ursprung und die Ursache für Bewusstsein: nämlich Name und Form. Bis zu diesem Punkt kann man wiedergeboren werden, alt werden, sterben, verscheiden oder wieder erscheinen. Bis zu diesem Punkt erstreckt sich der Geltungsbereich von Benennen, Begriffsbestimmung und Beschreibung; erstreckt sich der Bereich der Weisheit; wirbelt der Kreislauf der Wiedergeburten, sodass es diesen Daseinszustand geben kann: nämlich Name und Form zusammen mit Bewusstsein.

2. Das Selbst beschreiben

Die, die ein Selbst beschreiben: Inwiefern beschreiben sie es? Sie beschreiben es als geformt und begrenzt: ‚Mein Selbst ist geformt und begrenzt.‘ Oder sie beschreiben es als geformt und unendlich: ‚Mein Selbst ist geformt und unendlich.‘ Oder sie beschreiben es als formlos und begrenzt: ‚Mein Selbst ist formlos und begrenzt.‘ Oder sie beschreiben es als formlos und unendlich: ‚Mein Selbst ist formlos und unendlich.‘

Nehmen wir nun die, die das Selbst als geformt und begrenzt beschreiben. Sie beschreiben das Selbst als geformt und begrenzt in der Gegenwart; oder als etwas, das mit Gewissheit an einem anderen Ort geformt und begrenzt sein wird; oder sie denken: ‚Obwohl es nicht so ist, werde ich sicherstellen, dass es das bekommt, was nötig ist, damit es so wird.‘ Wenn das so ist, dann ist es angebracht, zu sagen, dass bei ihnen der Glaube an ein Selbst als geformt und begrenzt zugrunde liegt.

Nehmen wir nun die, die das Selbst als geformt und unendlich beschreiben … als formlos und begrenzt … oder als formlos und unendlich. Sie beschreiben das Selbst als formlos und unendlich in der Gegenwart; oder als etwas, das mit Gewissheit an einem anderen Ort formlos und unendlich sein wird; oder sie denken: ‚Obwohl es nicht so ist, werde ich sicherstellen, dass es das bekommt, was nötig ist, damit es so wird.‘ Wenn das so ist, dann ist es angebracht, zu sagen, dass bei ihnen der Glaube an ein Selbst als formlos und unendlich zugrunde liegt. Die, die ein Selbst beschreiben: Insofern beschreiben sie es.

3. Das Selbst nicht beschreiben

Die, die kein Selbst beschreiben: Inwiefern beschreiben sie es nicht? Sie beschreiben es nicht als geformt und begrenzt … nicht als geformt und unendlich … nicht als formlos und begrenzt … und nicht als formlos und unendlich: ‚Mein Selbst ist formlos und unendlich.‘

Nehmen wir nun die, die das Selbst nicht als geformt und begrenzt beschreiben … nicht als geformt und unendlich … nicht als formlos und begrenzt … und nicht als formlos und unendlich. Sie beschreiben das Selbst nicht als formlos und unendlich in der Gegenwart; auch nicht als etwas, das mit Gewissheit an einem anderen Ort formlos und unendlich sein wird; und sie denken auch nicht: ‚Obwohl es nicht so ist, werde ich sicherstellen, dass es das bekommt, was nötig ist, damit es so wird.‘ Wenn das so ist, dann ist es angebracht, zu sagen, dass bei ihnen kein Glaube an ein Selbst als formlos und unendlich zugrunde liegt. Die, die kein Selbst beschreiben: Insofern beschreiben sie es nicht.

4. Das Selbst betrachten

Die, die ein Selbst betrachten: Inwiefern betrachten sie es? Sie betrachten Gefühl als Selbst: ‚Gefühl ist mein Selbst.‘ Oder sie betrachten es so: ‚Gefühl ist bestimmt nicht mein Selbst. Mein Selbst erlebt kein Gefühl.‘ Oder sie betrachten es so: ‚Gefühl ist bestimmt nicht mein Selbst. Aber es ist nicht so, dass mein Selbst kein Gefühl erleben würde. Mein Selbst fühlt, denn mein Selbst ist dem Fühlen unterworfen.‘

Nehmen wir nun die, die sagen: ‚Gefühl ist mein Selbst.‘ Zu ihnen sollst du sagen: ‚Geehrter, es gibt drei Gefühle: angenehm, schmerzhaft und neutral. Welches davon betrachtest du als dein Selbst?‘ Ānanda, zu einer Zeit, zu der du ein angenehmes Gefühl fühlst, fühlst du kein schmerzhaftes oder neutrales Gefühl; du fühlst nur ein angenehmes Gefühl. Zu einer Zeit, zu der du ein schmerzhaftes Gefühl fühlst, fühlst du kein angenehmes oder neutrales Gefühl; du fühlst nur ein schmerzhaftes Gefühl. Zu einer Zeit, zu der du ein neutrales Gefühl fühlst, fühlst du kein angenehmes oder schmerzhaftes Gefühl; du fühlst nur ein neutrales Gefühl.

Angenehme Gefühle, schmerzhafte Gefühle, neutrale Gefühle, sie alle sind unbeständig, bedingt, abhängig entstanden und müssen enden, verschwinden, schwinden und aufhören. Wenn sie ein angenehmes Gefühl fühlen, denken sie: ‚Das ist mein Selbst.‘ Wenn das angenehme Gefühl aufhört, denken sie: ‚Mein Selbst ist verfallen.‘ Wenn sie ein schmerzhaftes Gefühl fühlen, denken sie: ‚Das ist mein Selbst.‘ Wenn das schmerzhafte Gefühl aufhört, denken sie: ‚Mein Selbst ist verfallen.‘ Wenn sie ein neutrales Gefühl fühlen, denken sie: ‚Das ist mein Selbst.‘ Wenn das neutrale Gefühl aufhört, denken sie: ‚Mein Selbst ist verfallen.‘ So betrachten die, die sagen: ‚Gefühl ist mein Selbst‘, etwas als das Selbst, das offensichtlich unbeständig ist, mit Glück und Leid vermischt, und das entstehen und vergehen muss. Daher ist es nicht annehmbar, Gefühl als das Selbst zu betrachten.

Nehmen wir nun die, die sagen: ‚Gefühl ist bestimmt nicht mein Selbst. Mein Selbst erlebt kein Gefühl.‘ Zu ihnen sollst du sagen: ‚Aber Geehrter, wo es überhaupt nichts Gefühltes gibt, würde da der Gedanke „ich bin“ auftreten?‘“

„Nein, Herr.“

„Darum ist es nicht annehmbar, das, was kein Gefühl erlebt, als das Selbst zu betrachten.

Nehmen wir nun die, die sagen: ‚Gefühl ist bestimmt nicht mein Selbst. Aber es ist nicht so, dass mein Selbst kein Gefühl erleben würde. Mein Selbst fühlt, denn mein Selbst ist dem Fühlen unterworfen.‘ Zu ihnen sollst du sagen: ‚Angenommen, Gefühl würde ganz und gar vollständig restlos aufhören. Wenn es überhaupt kein Gefühl gäbe, mit dem Aufhören von Gefühl, würde da der Gedanke „ich bin das“ auftreten?‘“

„Nein, Herr.“

„Darum ist es nicht annehmbar, das, was dem Fühlen unterworfen ist, als das Selbst zu betrachten. Wenn man nichts in dieser Weise betrachtet, ergreift man nichts in der Welt. Wenn man nichts ergreift, ist man nicht unruhig, und wenn man nicht unruhig ist, erlischt man aus sich selbst heraus. Man versteht: ‚Wiedergeburt ist beendet; das geistliche Leben ist erfüllt; was zu tun war, ist getan; es gibt nichts weiter für diesen Ort.‘

Es wäre nicht angemessen, zu sagen, dass ein Mönch, dessen Geist so befreit ist, diese Ansichten hat: ‚Ein Klargewordener besteht nach dem Tod fort‘, ‚Ein Klargewordener besteht nach dem Tod nicht fort‘, ‚Ein Klargewordener besteht nach dem Tod fort und besteht auch nicht fort‘, ‚Ein Klargewordener besteht nach dem Tod weder fort, noch besteht er nicht fort.‘

Warum ist das so? Ein Mönch ist befreit, indem er unmittelbar erkennt, wie weit sich das Benennen und der Geltungsbereich des Benennens erstrecken; wie weit sich die Begriffsbestimmung und der Geltungsbereich der Begriffsbestimmung erstrecken; wie weit sich Beschreibung und der Geltungsbereich der Beschreibung erstrecken; wie weit sich die Weisheit und der Bereich der Weisheit erstrecken; wie weit sich der Kreislauf der Wiedergeburten und seine Fortsetzung erstrecken. Es wäre nicht angemessen, zu sagen, dass ein Mönch, der befreit ist, indem er dies unmittelbar erkennt, die Ansicht hat: ‚So etwas wie Erkennen und Sehen gibt es nicht.‘

5. Bewusstseinsebenen

Ānanda, es gibt sieben Bewusstseinsebenen und zwei Dimensionen. Welche sieben?

Es gibt Lebewesen, deren Körper und Wahrnehmung vielfältig sind – wie Menschen, manche Götter und manche Wesen in der Unterwelt. Das ist die erste Bewusstseinsebene.

Es gibt Lebewesen, deren Körper vielfältig sind und deren Wahrnehmung einheitlich ist – wie die Götter, die durch die erste Vertiefung in Brahmās Gefolge wiedergeboren wurden. Das ist die zweite Bewusstseinsebene.

Es gibt Lebewesen, deren Körper einheitlich sind und deren Wahrnehmung vielfältig ist – wie die Götter von strahlendem Glanz. Das ist die dritte Bewusstseinsebene.

Es gibt Lebewesen, deren Körper und Wahrnehmung einheitlich sind – wie die Götter von allumfassender Schönheit. Das ist die vierte Bewusstseinsebene.

Es gibt Lebewesen, die jegliche Formwahrnehmung überstiegen haben. Mit dem Vergehen der Wahrnehmung von Eindrücken, und indem sie den Geist nicht auf die Wahrnehmung von Vielfalt richteten, wurden sie im Wissen: ‚Raum ist unendlich‘, in der Dimension des unendlichen Raumes wiedergeboren. Das ist die fünfte Bewusstseinsebene.

Es gibt Lebewesen, die die Dimension des unendlichen Raumes vollständig überstiegen haben. Im Wissen: ‚Bewusstsein ist unendlich‘, wurden sie in der Dimension des unendlichen Bewusstseins wiedergeboren. Das ist die sechste Bewusstseinsebene.

Es gibt Lebewesen, die die Dimension des unendlichen Bewusstseins vollständig überstiegen haben. Im Wissen: ‚Da ist überhaupt nichts‘, wurden sie in der Dimension des Nichts wiedergeboren. Das ist die siebte Bewusstseinsebene.

Dann gibt es die Dimension der Wesen ohne Wahrnehmung und zweitens noch die Dimension, die weder Wahrnehmung noch keine Wahrnehmung hat.

Ist es nun im Hinblick auf diese sieben Bewusstseinsebenen und diese zwei Dimensionen für jemanden, der sie versteht – und der bei ihnen den Ursprung, das Vergehen, die Befriedigung, den Nachteil und das Entrinnen versteht –, ist es für einen Solchen angebracht, daran Vergnügen zu finden?“

„Nein, Herr.“

„Wenn ein Mönch, nachdem er bei den sieben Bewusstseinsebenen und den zwei Dimensionen den Ursprung, das Vergehen, die Befriedigung, den Nachteil und das Entrinnen wahrhaftig verstanden hat, durch Nicht-Ergreifen befreit ist, so nennt man ihn einen Mönch, der durch Weisheit befreit ist.

6. Die acht Befreiungen

Ānanda, es gibt acht Befreiungen. Welche acht?

Man besitzt körperliche Form und sieht Formen. Das ist die erste Befreiung.

Während man keine Form innerlich wahrnimmt, sieht man Formen äußerlich. Das ist die zweite Befreiung.

Man ist einzig auf Schönheit ausgerichtet. Das ist die dritte Befreiung.

Man übersteigt jegliche Formwahrnehmung, und mit dem Vergehen der Wahrnehmung von Eindrücken, und indem man den Geist nicht auf die Wahrnehmung von Vielfalt richtet, tritt man im Wissen: ‚Raum ist unendlich‘, in die Dimension des unendlichen Raumes ein und verweilt darin. Das ist die vierte Befreiung.

Man übersteigt vollständig die Dimension des unendlichen Raumes, tritt im Wissen: ‚Bewusstsein ist unendlich‘, in die Dimension des unendlichen Bewusstseins ein und verweilt darin. Das ist die fünfte Befreiung.

Man übersteigt vollständig die Dimension des unendlichen Bewusstseins, tritt im Wissen: ‚Da ist überhaupt nichts‘, in die Dimension des Nichts ein und verweilt darin. Das ist die sechste Befreiung.

Man übersteigt vollständig die Dimension des Nichts, tritt in die Dimension ein, die weder Wahrnehmung noch keine Wahrnehmung hat, und verweilt darin. Das ist die siebte Befreiung.

Man übersteigt vollständig die Dimension, die weder Wahrnehmung noch keine Wahrnehmung hat, tritt in das Aufhören von Wahrnehmung und Gefühl ein und verweilt darin. Das ist die achte Befreiung.

Das sind die acht Befreiungen.

Wenn ein Mönch in diese acht Befreiungen eintritt und sich daraus zurückzieht, wo immer er will, wann immer er will und solange er will, in aufsteigender Folge, in absteigender Folge und in auf- und absteigender Folge; und wenn er mit der Auflösung der Befleckungen in eben diesem Leben die fleckenlose Freiheit des Herzens erlangt, die fleckenlose Freiheit durch Weisheit, sie durch eigene Einsicht erkennt und darin lebt, so nennt man ihn einen Mönch, der auf beide Arten befreit ist. Und, Ānanda, es gibt keine andere Befreiung auf beide Arten, die besser oder erlesener wäre als diese.“

Das sagte der Buddha. Zufrieden begrüßte der Ehrwürdige Ānanda die Worte des Buddha.

Übersetzung: Deutsch (sabbamitta), English (sujato). Quelle: SuttaCentral / Bilara (gemeinfrei, CC0).