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DN32

Der Āṭānāṭiya-Schutz

Āṭānāṭiyasutta

1. Der erste Abschnitt zum Aufsagen

So habe ich es gehört: Einmal hielt sich der Buddha bei Rājagaha auf der Geierkuppe auf. Da kamen spät in der Nacht die vier großen Könige mit einem großen Heer von Geistern, Zentauren, Zwergen und Drachen, stellten in den vier Himmelsrichtungen Wachen, Soldaten und Schutzleute auf und gingen dann, indem sie mit ihrer strahlenden Schönheit die Geierkuppe weithin erhellten, zum Buddha, verbeugten sich und setzten sich zur Seite hin. Einige der Geister verbeugten sich, andere begrüßten den Buddha und tauschten Höflichkeiten aus, wieder andere hielten ihm ihre zusammengelegten Hände entgegen, manche nannten ihren Namen und Stamm und manche schwiegen, bevor sie sich ebenfalls zur Seite hinsetzten.

Dann sagte der Große König Vessavaṇa zum Buddha: „Herr, manche der hohen Geister haben Zuversicht zum Buddha und manche nicht. Manche der mittleren Geister haben Zuversicht zum Buddha und manche nicht. Manche der niederen Geister haben Zuversicht zum Buddha und manche nicht. Aber zum großen Teil haben die Geister keine Zuversicht zum Buddha. Warum ist das so? Weil der Buddha sie lehrt, das Töten lebender Geschöpfe, das Stehlen, das Begehen sexueller Verfehlungen, das Lügen und das Trinken von Rauschmitteln wie Bier, Wein und Branntwein zu unterlassen. Doch zum großen Teil unterlassen sie diese Dinge nicht. Es ist ihnen unlieb und verhasst.

Herr, es gibt Schüler des Buddha, die abgelegene Unterkünfte in der Wildnis und im Wald aufsuchen, die ruhig und still sind, weit weg von der tollen Menge, fern von menschlichen Siedlungen und für die Klausur geeignet. Dort leben hohe Geister, die keine Zuversicht zum Lehrsystem des Buddha haben. Um bei ihnen Zuversicht zu wecken, soll der Buddha bitte den Āṭānāṭiya-Schutz lernen zum Bewachen, zum Schutz, zur Sicherheit und Unbeschwertheit der Mönche, Nonnen, Laienmänner und Laienfrauen.“ Der Buddha schwieg zum Zeichen der Zustimmung.

Da sagte der Große König Vessavaṇa, als er die Zustimmung des Buddha erkannt hatte, bei dieser Gelegenheit den Āṭānāṭiya-Schutz auf:

„Ehre sei dir, Vipassī, dem ruhmreichen Klaräugigen! Ehre sei dir, Sikhī, der Anteil an allen Lebewesen nimmt!

Ehre sei dir, Vessabhū, geläutert und zur Entbehrung bereit! Ehre sei dir, Kakusandha, der Māras Heer zermalmt!

Ehre sei dir, Koṇāgamana, dem Brahmanen, der das Leben gelebt! Ehre sei dir, Kassapa, in jeder Hinsicht frei!

Ehre sei dir, Aṅgīrasa, ruhmreicher Sakyer! Er lehrte diesen Dhamma, der alles Leiden vertreibt.

Die in der Welt verloschen sind, die wahrhaftig klar gesehen haben und keine Verleumder sind – solche Menschen, großherzig und unerschrocken,

verehren diesen Gotama. Er handelt zum Wohl von Göttern und Menschen, er, der im Wissen und Verhalten vollendet ist, großherzig und unerschrocken.

Da, wo die Sonne aufgeht – Aditis Kind, der große Himmelskörper, der beim Aufgehen die Nacht vertreibt und von dem man, wenn die Sonne aufgegangen ist, sagt, es sei Tag –

an diesem Ort, da gibt es einen tiefen See, ein Meer von fließenden Wassern. So verstehen sie diesen See dort: als ein Meer von fließenden Wassern.

‚Von hier aus im Osten‘, so sagen die Leute. Diese Himmelsrichtung wird bewacht von einem Großen König, ruhmreich,

dem Herrn der Zentauren; sein Name ist Dhataraṭṭha. Er freut sich an Gesang und Tanz, verehrt von den Zentauren.

Und er hat viele mächtige Söhne, alle von gleichem Namen, so habe ich es gehört. Achtzig und zehn und einer, die alle den Namen Indra tragen.

Nachdem sie den Buddha gesehen haben, den Erwachten, der mit der Sonne verwandt ist, verehren sie ihn von fern, den Großherzigen und Unerschrockenen.

Ehre sei dir, du Vollblüter! Ehre sei dir, Höchster unter den Menschen! Du begutachtest uns geschickt; die nicht-menschlichen Wesen verbeugen sich vor dir. Viele Male wurden wir gefragt: ‚Verbeugt ihr euch vor Gotama, dem Sieger?‘

Daher sollten wir erklären: ‚Wir verbeugen uns vor Gotama, dem Sieger von vollendetem Wissen und Verhalten! Vor Gotama dem Erwachten verbeugen wir uns!‘

Es heißt, es ist da, wo die Verstorbenen hingehen, die entzweien und verleumden, Mörder und Jäger, Räuber und Betrüger.

‚Von hier aus im Süden‘, so sagen die Leute. Diese Himmelsrichtung wird bewacht von einem Großen König, ruhmreich,

dem Herrn der Zwerge; sein Name ist Virūḷha. Er freut sich an Gesang und Tanz, verehrt von den Zwergen.

Und er hat viele mächtige Söhne, alle von gleichem Namen, so habe ich es gehört. Achtzig und zehn und einer, die alle den Namen Indra tragen.

Nachdem sie den Buddha gesehen haben, den Erwachten, der mit der Sonne verwandt ist, verehren sie ihn von fern, den Großherzigen und Unerschrockenen.

Ehre sei dir, du Vollblüter! Ehre sei dir, Höchster unter den Menschen! Du begutachtest uns geschickt; die nicht-menschlichen Wesen verbeugen sich vor dir. Viele Male wurden wir gefragt: ‚Verbeugt ihr euch vor Gotama, dem Sieger?‘

Daher sollten wir erklären: ‚Wir verbeugen uns vor Gotama, dem Sieger von vollendetem Wissen und Verhalten! Vor Gotama dem Erwachten verbeugen wir uns!‘

Da, wo die Sonne untergeht – Aditis Kind, der große Himmelskörper, der beim Untergehen den Tag beschließt und von dem man, wenn die Sonne untergegangen ist, sagt, es sei Nacht –

an diesem Ort, da gibt es einen tiefen See, ein Meer von fließenden Wassern. So verstehen sie diesen See dort: als ein Meer von fließenden Wassern.

‚Von hier aus im Westen‘, so sagen die Leute. Diese Himmelsrichtung wird bewacht von einem Großen König, ruhmreich,

dem Herrn der Drachen; sein Name ist Virūpakkha. Er freut sich an Gesang und Tanz, verehrt von den Drachen.

Und er hat viele mächtige Söhne, alle von gleichem Namen, so habe ich es gehört. Achtzig und zehn und einer, die alle den Namen Indra tragen.

Nachdem sie den Buddha gesehen haben, den Erwachten, der mit der Sonne verwandt ist, verehren sie ihn von fern, den Großherzigen und Unerschrockenen.

Ehre sei dir, du Vollblüter! Ehre sei dir, Höchster unter den Menschen! Du begutachtest uns geschickt; die nicht-menschlichen Wesen verbeugen sich vor dir. Viele Male wurden wir gefragt: ‚Verbeugt ihr euch vor Gotama, dem Sieger?‘

Daher sollten wir erklären: ‚Wir verbeugen uns vor Gotama, dem Sieger von vollendetem Wissen und Verhalten! Vor Gotama dem Erwachten verbeugen wir uns!‘

Wo das liebliche Land nördlich von Kuru liegt und der schöne Berg Meru, dort werden Menschen geboren, die selbstlos sind, ohne Besitz.

Sie säen keine Saat und ziehen nicht den Pflug. Der Reis, den sie essen, reift auf unbebauter Erde,

ohne Häutchen und Spelze, rein, duftend, nur mit dem Reiskorn. Wenn sie ihn in einem Tandurofen gekocht haben, genießen sie diese Speise.

Sie richten eine Kuh mit ungespaltenen Hufen her und werden von hier nach da gezogen. Sie richten ein Tier mit ungespaltenen Hufen her und werden von hier nach da gezogen.

Sie richten eine von Frauen gezogene Kutsche her und werden von hier nach da gezogen. Sie richten eine von Männern gezogene Kutsche her und werden von hier nach da gezogen.

Sie richten eine von Mädchen gezogene Kutsche her und werden von hier nach da gezogen. Sie richten eine von Jungen gezogene Kutsche her und werden von hier nach da gezogen.

Nachdem sie ihr Fahrzeug bestiegen haben, ziehen die Diener dieses Königs in allen Himmelsrichtungen umher,

ausgestattet mit himmlischen Elefanten- und Pferdefuhrwerken. Und es gibt Paläste und Sänften für diesen großen und ruhmreichen König.

Er besitzt auch Städte, wohl mitten in die Luft gebaut: Āṭānāṭā, Kusināṭā, Parakusināṭā, Nāṭapuriyā und Parakusiṭanāṭā.

Im Norden ist Kapīvanta, und Janogha liegt jenseits davon. Dann ist da Navanavutiya, Ambara-Ambaravatiya und die Königsstadt mit Namen Āḷakamandā.

Der Große König Kuvera, Kamerad, hat eine Königsstadt namens Visāṇā; darum wird der Große König ‚Vessavaṇa‘ genannt.

Während sie suchen, leuchten sie: Tatolā, Tattalā, Tatotalā, Ojasi, Tejasi, Tatojasi, Sūra, Rājā, Ariṭṭha und Nemi.

Auch einen See gibt es mit Namen Dharaṇī, von wo die Wolken herabregnen und der Regen sich verteilt. Auch eine Halle gibt es mit Namen Sālavatī,

wo die Geister verkehren. Die Bäume hier tragen stets Früchte und haben viele verschiedene Vogelschwärme. Pfauen und Reiher lassen ihren Ruf erschallen und auch die süßen Kuckucke.

Ein Vogel ruft: ‚Lebe, lebe!‘, ein anderer ‚Erhebe dein Herz!‘ Es gibt Hähne und Eisvögel und im Wald die Spechte.

Es rufen die Papageien und Beos und die Kleine-Reisigjungen-Vögel. Kuveras Binsenteich ist allzeit lieblich.

‚Von hier aus im Norden‘, so sagen die Leute. Diese Himmelsrichtung wird bewacht von einem Großen König, ruhmreich,

dem Herrn der Geister; sein Name ist Kuvera. Er freut sich an Gesang und Tanz, verehrt von den Geistern.

Und er hat viele mächtige Söhne, alle von gleichem Namen, so habe ich es gehört. Achtzig und zehn und einer, die alle den Namen Indra tragen.

Nachdem sie den Buddha gesehen haben, den Erwachten, der mit der Sonne verwandt ist, verehren sie ihn von fern, den Großherzigen und Unerschrockenen.

Ehre sei dir, du Vollblüter! Ehre sei dir, Höchster unter den Menschen! Du begutachtest uns geschickt; die nicht-menschlichen Wesen verbeugen sich vor dir. Viele Male wurden wir gefragt: ‚Verbeugt ihr euch vor Gotama, dem Sieger?‘

Daher sollten wir erklären: ‚Wir verbeugen uns vor Gotama, dem Sieger von vollendetem Wissen und Verhalten! Vor Gotama dem Erwachten verbeugen wir uns!‘

Das, Kamerad, ist der Āṭānāṭiya-Schutz zum Bewachen, zum Schutz, zur Sicherheit und Unbeschwertheit der Mönche, Nonnen, Laienmänner und Laienfrauen.

Die Mönche, Nonnen, Laienmänner und Laienfrauen sollten diesen Āṭānāṭiya-Schutz gut auswendig lernen und sich vollständig einprägen. Wenn sich irgendjemandem, der das tut, beim Gehen, Stehen, Sitzen oder Liegen ein nicht-menschliches Wesen mit gehässigem Geist nähert – Geistermänner oder -frauen, Geisterjungen oder -mädchen, Oberminister, Räte oder Diener unter den Geistern, Zentauren, Zwergen oder Drachen –, wird dieses nicht-menschliche Wesen in keinem Dorf oder Marktflecken Ehrerbietung oder Achtung erfahren. In meiner Königsstadt Ālakamandā wird es keinen Boden und keinen Wohnraum bekommen. Auch an der Zusammenkunft der Geister wird es nicht teilnehmen können. Außerdem würden nicht-menschliche Wesen dieses Wesen nicht zu einer Hochzeit führen oder heiraten. Sie würden es mit persönlichen Beschimpfungen überhäufen, ihm eine leere Schüssel über den Kopf stülpen oder gar seinen Kopf in sieben Stücke zerschmettern!

Denn, Kamerad, es gibt nicht-menschliche Wesen, die grimmig, grausam und gewalttätig sind. Sie gehorchen den Großen Königen oder ihren Männern oder den Männern ihrer Männer nicht. Es heißt, sie lehnten sich gegen die Großen Könige auf. Geradeso wie die Räuber im Reich des Königs von Magadha, die dem König, seinen Männern oder den Männern seiner Männer nicht gehorchen und von denen es heißt, sie lehnten sich gegen den König auf. Wenn irgendein nicht-menschliches Wesen sich einem Mönch, einer Nonne, einem Laienmann oder einer Laienfrau beim Gehen, Stehen, Sitzen oder Liegen mit gehässigem Geist nähert – Geistermänner oder -frauen, Geisterjungen oder -mädchen, Oberminister, Räte oder Diener unter den Geistern, Zentauren, Zwergen oder Drachen –, dann soll man zu den Geistern, den großen Geistern, den Generälen und großen Generälen kreischen, schreien und brüllen: ‚Dieser Geist hat mich erwischt! Dieser Geist ist in mich eingedrungen! Dieser Geist belästigt mich! Dieser Geist bedrängt mich! Dieser Geist verletzt mich! Dieser Geist tut mir ein Leid an! Dieser Geist will mich nicht loslassen!‘

Zu welchen Geistern, großen Geistern, Generälen und großen Generälen?

‚Indra, Soma und Varuṇa, Bhāradvāja und der Urvater, Candana und Kāmaseṭṭha, Kinnughaṇḍu und Nighaṇḍu,

Panāda und Opamañña und Mātali, der Wagenlenker der Götter. Cittasena der Zentaur, und die Könige Nala und Janesabha,

Sātāgira, Hemavata, Puṇṇaka, Karatiya und Guḷa; Sivaka und Mucalinda, Vessāmitta, Yugandhara,

Gopāla, Suppagedha, Hiri, Netti und Mandiya; Pañcālacaṇḍa, Āḷavaka, Pajjunna, Sumana, Sumukha, Dadhimukha, Maṇi, Māṇivara, Dīgha zusammen mit Serīsaka.‘

Das, Kamerad, ist der Āṭānāṭiya-Schutz zum Bewachen, zum Schutz, zur Sicherheit und Unbeschwertheit der Mönche, Nonnen, Laienmänner und Laienfrauen. Nun, jetzt muss ich gehen, Kamerad. Ich habe viele Pflichten und Verantwortlichkeiten.“

„Bitte, ihr Großen Könige, geht nach eurem Belieben.“

Da erhoben sich die vier großen Könige von ihren Sitzen, verbeugten sich, umrundeten den Buddha respektvoll, die rechte Seite ihm zugewandt, und verschwanden eben dort. Von den anderen anwesenden Geistern verbeugten sich einige und umrundeten den Buddha respektvoll, die rechte Seite ihm zugewandt, andere begrüßten den Buddha und tauschten Höflichkeiten aus, wieder andere hielten ihm ihre zusammengelegten Hände entgegen, manche nannten ihren Namen und Stamm und manche schwiegen, bevor sie ebenfalls verschwanden.

Der erste Abschnitt zum Aufsagen ist zu Ende.

2. Der zweite Abschnitt zum Aufsagen

Als dann die Nacht vorüber war, berichtete der Buddha den Mönchen und Nonnen, was vorgefallen war, und wiederholte alle aufgesagten Strophen. Er fügte hinzu:

„Mönche und Nonnen, lernt den Āṭānāṭiya-Schutz! Prägt euch den Āṭānāṭiya-Schutz ein! Behaltet den Āṭānāṭiya-Schutz im Gedächtnis! Der Āṭānāṭiya-Schutz ist nützlich, und er ist zum Bewachen, zum Schutz, zur Sicherheit und Unbeschwertheit der Mönche, Nonnen, Laienmänner und Laienfrauen.“

Das sagte der Buddha. Zufrieden begrüßten die Mönche und Nonnen die Worte des Buddha.

Übersetzung: Deutsch (sabbamitta), English (sujato). Quelle: SuttaCentral / Bilara (gemeinfrei, CC0).