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Dhp 256-272

19. Das Kapitel über den Gerechten

Dhammaṭṭhavagga

aus: Dhammasprüche 256–272

19. Das Kapitel über den Gerechten

Nicht indem du hastig urteilst,
wirst du gerecht.
Ein kluger Mensch bewertet beides,
was zur Sache gehört und was nicht dazugehört.

Er urteilt über andere ohne Hast,
gerecht und unparteiisch;
dieser Hüter des Gesetzes
gilt als gerecht.

Du bist kein kluger Gelehrter,
bloß weil du viel redest.
Jemand, der sicher, frei von Feindschaft und furchtlos ist,
dieser gilt als klug.

Du bist nicht jemand, der die Lehre im Gedächtnis hat,
bloß weil du viel aufsagst.
Jemand, der nur wenig gehört hat
und dann die Lehre unmittelbar sieht,
ist wahrhaft jemand, der die Lehre im Gedächtnis hat,
denn er kann sie niemals vergessen.

Du wirst nicht altehrwürdig,
weil du ein paar graue Haare bekommst;
denn wer nur an Jahren reift,
ist, so heißt es, umsonst gealtert.

Wer wahrhaftig und prinzipientreu ist,
mildherzig, zurückhaltend und selbstbeherrscht,
dieser Bedächtige, der die Flecken ausgespien hat,
wird altehrwürdig genannt.

Nicht durch Ausdrucksweise
oder schönes Aussehen
wird ein Mensch heilig,
wenn er eifersüchtig, geizig und doppelzüngig ist.

Aber wenn er dieses abgeschnitten,
es mit der Wurzel ausgegraben und ausgerottet hat,
dann gilt dieser Verständige, der das Laster ausgespien hat,
als heilig.

Wer lügt und die Gelübde bricht, ist kein Asket,
bloß weil er seinen Kopf rasiert.
Wie in aller Welt kann jemand ein Asket sein,
der voll von Wünschen und Begehren ist?

Wer alle bösen Taten einstellt,
seien sie groß oder klein,
gilt, weil er böse Taten einstellt,
als Asket.

Man wird kein Bettelmönch,
bloß weil man von andern bettelt.
Wer häusliche Pflichten aufgenommen hat,
ist noch kein Bettelmönch geworden.

Doch wer ein geistliches Leben führt,
wer sowohl Verdienst als auch Böses verbannt hat,
wer wandert, nachdem er die Welt eingeschätzt hat,
der gilt als ein Bettelmönch.

Man wird kein Abgeklärter, indem man abgeklärt tut,
solange man verwirrt und unwissend ist.
Der Kluge, der die Waage hält,
der nur das Beste nimmt

und das Schlechte verwirft,
der ist ein Abgeklärter, und so wird man abgeklärt.
Wer beides abgeklärt in der Welt abwägt,
gilt aufgrund dessen als Abgeklärter.

Man wird kein Edler,
indem man Geschöpfen Leid antut.
Wer mildherzig zu allen Wesen ist,
gilt als ein Edler.

Nicht durch Regeln und Gelübde
noch durch große Gelehrsamkeit,
durch meditative Versenkung
oder durch ein abgeschiedenes Leben

erfahre ich das Glück der Entsagung,
zu dem gewöhnliche Menschen nicht kommen.
Ein Mönch kann nicht zuversichtlich bleiben,
ohne die Auflösung der Befleckungen zu erreichen.

Übersetzung: Deutsch (Ayyā Sabbamittā), English (Bhikkhu Sujato). Quelle: SuttaCentral / Bilara (gemeinfrei, CC0).

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