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MN45

Die kürzere Lehrrede über das Aufnehmen von Übungen

Cūḷadhammasamādānasutta

So habe ich es gehört: Einmal hielt sich der Buddha bei Sāvatthī in Jetas Wäldchen auf, dem Kloster des Anāthapiṇḍika. Da wandte sich der Buddha an die Mönche und Nonnen: „Mönche und Nonnen!“

„Ehrwürdiger Herr“, antworteten sie. Der Buddha sagte:

„Mönche und Nonnen, es gibt vier Arten, Übungen aufzunehmen. Welche vier? Es gibt eine Art, Übungen aufzunehmen, die jetzt angenehm ist und zu künftigem Schmerz führt. Es gibt eine Art, Übungen aufzunehmen, die jetzt schmerzhaft ist und zu künftigem Schmerz führt. Es gibt eine Art, Übungen aufzunehmen, die jetzt schmerzhaft ist und zu künftigem Glück führt. Es gibt eine Art, Übungen aufzunehmen, die jetzt angenehm ist und zu künftigem Glück führt.

Und was ist die Art, Übungen aufzunehmen, die jetzt angenehm ist und zu künftigem Schmerz führt? Es gibt manche Asketen und Brahmanen, die diese Doktrin, diese Ansicht haben: ‚An Sinnenfreuden ist nichts falsch.‘ Sie stürzen sich in Sinnenfreuden und vergnügen sich mit Wandererfrauen mit juwelenbesetzten Haarbändern. Sie sagen: ‚Welche künftige Gefahr sehen jene Asketen und Brahmanen bei den Sinnenfreuden, dass sie vom Aufgeben der Sinnenfreuden sprechen und das vollständige Verstehen von Sinnenfreuden verfechten? Angenehm ist die Berührung des Arms dieser Wandererfrau, zart, weich und flauschig!‘ Und sie stürzen sich in Sinnenfreuden. Wenn ihr Körper auseinanderbricht, nach dem Tod, werden sie an einem verlorenen Ort wiedergeboren werden, einem schlechten Ort, in der Unterwelt, der Hölle. Und dort fühlen sie schmerzhafte, scharfe, heftige, brennende Gefühle. Sie sagen: ‚Das ist die künftige Gefahr, die jene Asketen und Brahmanen bei den Sinnenfreuden sahen, dass sie vom Aufgeben der Sinnenfreuden sprachen und das vollständige Verstehen von Sinnenfreuden verfochten. Denn es ist wegen der Sinnenfreuden, dass ich jetzt schmerzhafte, scharfe, heftige, brennende Gefühle fühle.‘

Wie wenn im letzten Sommermonat eine Schote der Kamelhufliane aufplatzen würde, und ein Same fiele an die Wurzel eines Salbaumes. Da bekäme die Gottheit, die in diesem Salbaum hauste, Angst und würde erschrecken. Doch ihre Freunde und Kollegen, Verwandten und Sippenangehörigen, die Gottheiten der Parks, Wälder und Bäume und die, die in Heilkräutern, Gras und hohen Bäumen hausen, kämen zusammen, um sie zu beruhigen: ‚Hab keine Furcht, Herr, hab keine Furcht! Dieser Same wird hoffentlich von einem Pfau aufgepickt oder von Wild gefressen oder von einem Waldbrand verbrannt oder von einem Waldarbeiter aufgelesen oder von Termiten gefressen, oder er ist vielleicht sogar unfruchtbar.‘ Aber nichts von alledem geschähe, und der Same wäre fruchtbar. Und wenn die Monsunwolken ihn mit Regen tränkten, würde er keimen. Und die Liane schlänge ihre zarten, weichen und flauschigen Ranken um diesen Salbaum. Da dächte die Gottheit: ‚Welche künftige Gefahr haben meine Freunde gesehen, als sie sagten: „Hab keine Furcht, Herr, hab keine Furcht! Dieser Same wird hoffentlich von einem Pfau aufgepickt oder von Wild gefressen oder von einem Waldbrand verbrannt oder von einem Waldarbeiter aufgelesen oder von Termiten gefressen, oder er ist vielleicht sogar unfruchtbar.“ Angenehm ist die Berührung der zarten, weichen und flauschigen Ranken dieser Liane!‘ Dann umschlänge die Liane den Salbaum, überdachte ihn mit einem Baldachin, hängte einen Vorhang um ihn und zerbräche alle dicken Äste. Da dächte die Gottheit: ‚Das ist die künftige Gefahr, die meine Freunde sahen, als sie sagten: „Dieser Same wird hoffentlich von einem Pfau aufgepickt oder von Wild gefressen oder von einem Waldbrand verbrannt oder von einem Waldarbeiter aufgelesen oder von Termiten gefressen, oder er ist vielleicht sogar unfruchtbar.“ Denn es ist wegen dieses Samens der Kamelhufliane, dass ich jetzt schmerzhafte, scharfe, heftige, brennende Gefühle fühle.‘

Ebenso gibt es manche Asketen und Brahmanen, die diese Doktrin, diese Ansicht haben: ‚An Sinnenfreuden ist nichts falsch.‘ … ‚… Denn es ist wegen der Sinnenfreuden, dass ich jetzt schmerzhafte, scharfe, heftige, brennende Gefühle fühle.‘ Das nennt man die Art, Übungen aufzunehmen, die jetzt angenehm ist und zu künftigem Schmerz führt.

Und was ist die Art, Übungen aufzunehmen, die jetzt schmerzhaft ist und zu künftigem Schmerz führt? Da geht jemand nackt, wahrt den Anstand nicht. Er leckt die Hände ab und kommt oder wartet nicht, wenn er gerufen wird. Er nimmt keine Speise an, die ihm gebracht wird oder eigens für ihn zubereitet wurde, auch keine Einladung zum Essen. Er nimmt nichts aus einem Topf oder einer Schüssel an, nichts von jemandem, der Schafe hält, der eine Waffe oder einen Spaten im Haus hat, nichts von da, wo ein Paar isst, wo eine Frau schwanger ist, stillt oder mit einem Mann lebt, nichts von da, wo ein Hund wartet oder Fliegen summen. Er nimmt weder Fisch noch Fleisch an, weder Bier noch Wein, und trinkt keine vergorene Grütze. Er geht um Almosen nur zu einem Haus und nimmt nur einen Bissen, oder zu zwei Häusern und zwei Bissen, bis zu sieben Häusern und sieben Bissen. Er lebt von einem Schüsselchen voll am Tag, zwei Schüsselchen voll, bis zu sieben Schüsselchen voll am Tag. Er isst einmal am Tag, einmal jeden zweiten Tag, bis zu einmal pro Woche und so weiter, selbst bis zu einmal in zwei Wochen. Er lebt hingegeben an die Übung, in festen Abständen zu essen.

Er isst Kräuter, Hirse, wilden Reis, mageren Reis, Wasserlattich, Reiskleie, Schaum von gekochtem Reis, Sesammehl, Gras oder Kuhmist. Er überlebt mit Wurzeln und Waldbeeren oder isst herabgefallene Früchte.

Er trägt Roben aus Hanf, Hanf-Mischgewebe, Leichentuch, Lumpen, Lodhrabaum-Rinde, Antilopenfell, Antilopenfell-Streifen, Gewebe aus Kusagras, Rinden- oder Holzstückchen, Menschenhaar, Pferdehaar oder Eulenflügeln. Er reißt sich Haar und Bart aus, verschreibt sich dieser Übung. Er steht fortwährend, verweigert einen Sitz. Er sitzt in der Hocke, verschreibt sich dem Unterfangen des Hockens. Er legt sich auf eine Dornenmatte, benutzt eine Dornenmatte als Bett. Er betreibt die Übung des rituellen Badens dreimal am Tag, auch am Abend. Und so lebt er und betreibt diese verschiedenen Arten der inbrünstigen Bußübung und Kasteiung des Körpers. Wenn sein Körper auseinanderbricht, nach dem Tod, wird er an einem verlorenen Ort wiedergeboren, einem schlechten Ort, in der Unterwelt, der Hölle. Das nennt man die Art, Übungen aufzunehmen, die jetzt schmerzhaft ist und zu künftigem Schmerz führt.

Und was ist die Art, Übungen aufzunehmen, die jetzt schmerzhaft ist und zu künftigem Glück führt? Da ist jemand gewöhnlich voller heftiger Gier, voller heftigen Hasses und voller heftiger Täuschung. Er fühlt häufig den Schmerz und die Traurigkeit, die mit Gier, Hass und Täuschung einhergehen. Er führt das vollkommene und reine geistliche Leben mit Schmerz und Traurigkeit, weinend, mit tränenüberströmtem Gesicht. Wenn sein Körper auseinanderbricht, nach dem Tod, wird er an einem guten Ort wiedergeboren, in einer himmlischen Welt. Das nennt man die Art, Übungen aufzunehmen, die jetzt schmerzhaft ist und zu künftigem Glück führt.

Und was ist die Art, Übungen aufzunehmen, die jetzt angenehm ist und zu künftigem Glück führt? Da ist jemand gewöhnlich nicht voller heftiger Gier, voller heftigen Hasses und voller heftiger Täuschung. Er fühlt selten den Schmerz und die Traurigkeit, die mit Gier, Hass und Täuschung einhergehen. Ganz abgeschieden von den Sinnenfreuden, abgeschieden von untauglichen Eigenschaften, tritt er in die erste Vertiefung ein und verweilt darin; da gibt es aus Abgeschiedenheit geborene Ekstase und Seligkeit, während man den Geist ausrichtet und hält. Wenn dann das Ausrichten und Halten des Geistes sich beruhigt, tritt er in die zweite Vertiefung ein und verweilt darin … in die dritte Vertiefung … in die vierte Vertiefung. Wenn sein Körper auseinanderbricht, nach dem Tod, wird er an einem guten Ort wiedergeboren, in einer himmlischen Welt. Das nennt man die Art, Übungen aufzunehmen, die jetzt angenehm ist und zu künftigem Glück führt. Das sind die vier Arten, Übungen aufzunehmen.“

Das sagte der Buddha. Zufrieden begrüßten die Mönche und Nonnen die Worte des Buddha.

Übersetzung: Deutsch (sabbamitta), English (sujato). Quelle: SuttaCentral / Bilara (gemeinfrei, CC0).